Sport : Die Socke zum Sieg

Die Berliner Hockeyspielerinnen sind Deutsche Meister – dafür mussten sie einen Fluch brechen

Verena Friederike Hasel

Berlin - Um einen Fluch zu überwinden, braucht man das passende Gerät, und so trugen die Frauen vom Berliner Hockeyclub am Sonntag in Hamburg Glückssocken und pinkfarbene Haarspangen. Sie waren zum Kampf um die Meisterschaft angetreten. Doch fast erschien es zu diesem Zeitpunkt schon wie ein unheilvolles Gesetz der Serie, dass ein Vorrundensieger wie sie nicht Meister werden kann. Zumindest hatte das seit 2003 kein Verein mehr geschafft. Am Sonntag gingen die Berlinerinnen dann auch mit einem 0:0 gegen den Titelverteidiger Rot-Weiss Köln in die Verlängerung – und siegten durch ein Golden Goal von der Nationalspielerin Natascha Keller.

„Wir wollten den Fluch unbedingt brechen“, sagte die 30-Jährige nach dem Spiel, und tags drauf zählten die Spielerinnen im Chat mit den Fans auf, welche Rituale sie anwandten: die einen achteten darauf, erst den rechten und dann den linken Schuh anzuziehen, andere trugen bestimmte T-Shirts, Socken oder Haarspangen als Glücksbringer.

Für den Trainer Safi Khalil macht das Sinn, für ihn sind solche abergläubische Vorstellungen und Talismäner nur eine Spielart von dem, was er der Mannschaft zu vermitteln versucht. „Um zu gewinnen, braucht man Glauben“, sagt er. Und so hat Khalil schon einmal einen privaten Gottesdienst in der Kapelle des Olympiastadion veranstaltet, und im Training wiederholt er einzelne Glaubenssätze. „Locker bleiben, aber nicht lockerlassen“, lautete einer, schließlich hieß es längere Zeit, den Berliner Hockeydamen fehle es in den entscheidenden Momenten an Nervenstärke.

Diese hat Natascha Keller nun bewiesen, und das schon in der ersten Minute der Verlängerung. „Später im Clubhaus erzählten mir Fans, sie hätten erst gedacht, unser Trainer sei verrückt geworden, weil er plötzlich aufs Feld rannte“, sagt Keller. „Viele haben nicht begriffen, dass so schnell schon ein Tor gefallen war.“ Für Keller, vom Bundestrainer Michael Behrmann als beste Spielerin der Endrunde ausgezeichnet, ist auch dieser Sieg einem Gesetz der Serie zuzuschreiben – allerdings einem neuen, das Erfolg verheißt: Dieses Jahr Ende März gewannen die Berliner Frauen erstmals im Europacup der Pokalsieger in Paris. „Seit Ostern glauben wir fest an uns“, sagt Natascha Keller. Verena Friederike Hasel

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