Sport : Die Soliden

Ludwigsburgs Basketballer fordern Lizenzentzug für den MBC

Benedikt Voigt

Berlin. In diesen Tagen, in denen die Basketball-Bundesliga eine negative Schlagzeile nach der anderen produziert, wird sie sich vielleicht über ein Ereignis in Ludwigsburg freuen. Dort veranstaltet heute der lokale Bundesligist eine Pressekonferenz, auf der bekannt gegeben wird, dass der Klub in der kommenden Saison wieder in der Rundsporthalle in Ludwigsburg antritt. Diese Rückkehr dürfte den wirtschaftlichen Fortbestand des Vereins garantieren. „Eine weitere Saison in Sindelfingen hätte für uns keinen Sinn mehr gemacht“, sagt Manager Christian Jäger. Allerdings ist die Frage noch nicht geklärt, ob sein Klub in der nächsten Saison überhaupt in der Basketball-Bundesliga spielen wird. Womit wir bereits wieder bei den negativen Schlagzeilen wären.

Die EnBW Ludwigsburg spricht sich dafür aus, den am Freitag beschlossenen Lizenzentzug für den Mitteldeutschen BC aufrechtzuerhalten. „Es kann aus unserer Sicht nur eine Entscheidung geben, und die heißt: Lizenzentzug“, sagt Jäger. Der Tabellenvierzehnte, der heute (20 Uhr) gegen den Tabellenführer Alba Berlin versucht, zwei Punkte gegen den Abstieg zu holen, würde in diesem Falle sicher in der Liga bleiben. Der MitteldeutscheBC und Hagen wären die beiden Absteiger. Allerdings kündigte Ligachef Otto Reintjes bereits an, die Entscheidung womöglich rückgängig machen zu wollen. Ein Ergebnis des gestrigen Gesprächs zwischen dem BBL-Commissioner und dem MBC-Insolvenzverwalter Dieter Kühne war bei Redaktionsschluss nicht bekannt.

Ludwigsburg sieht durch das Vorgehen des Mitteldeutschen BC, der einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt hat, den Wettbewerb verzerrt. „Es darf nicht sein, dass sich ein Verein durch den Einkauf teurer Spieler einen Wettbewerbsvorteil verschafft, die Gehälter nach der Insolvenz vom Arbeitsamt bezahlen lässt und im nächsten Jahr schuldenfrei wieder auftaucht“, sagt Jäger. Wenn das ginge, würden demnächst viele Vereine diesem Beispiel folgen. Die Ludwigsburger dachten im Februar angesichts schlechter Ergebnisse darüber nach, ihr Team zu verstärken. „Wir haben gesagt, dass das nicht in Frage kommt, wir können nicht auf Pump neue Spieler kaufen.“ Der Mitteldeutsche BC hingegen lieh im Januar den Georgier Manuchar Markioschwili aus und verpflichtete den inzwischen verletzten Aufbauspieler Chauncey Lesley.

Jäger tritt dem Gerücht entgegen, dass sein Verein neben Würzburg ebenfalls von der Insolvenz bedroht ist. „Wir werden definitiv ohne einen Euro Schulden aus der Saison gehen.“ Sein Klub musste in dieser Saison in Sindelfingen spielen, weil der Verein nicht über eine Halle verfügte, die dem Bundesligastandard von 3000 Zuschauern entspricht. In Sindelfingen kamen bislang nur durchschnittlich 1800 Zuschauer pro Heimspiel, gegen Alba erwartet der Manager 2500 bis 3000 Besucher. Wenn der Verein im nächsten Jahr wieder in der umgerüsteten Rundsporthalle spielt, sollen auch die Zuschauerzahlen wieder steigen.

Wie Gießen will Ludwigsburg rechtliche Schritte prüfen, falls der Lizenzentzug für den Mitteldeutschen BC rückgängig gemacht wird. „Wir haben am Freitagabend nicht die Sektkorken knallen lassen, als der Lizenzentzug bekannt gegeben wurde“, sagt Jäger, „wir wussten schon, dass sich das sehr lange hinziehen kann.“

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