Die Songs der Europameisterschaft 2016 : Die Musik zur EM - ein Trauerspiel

Von Euphorie ist nichts zu spüren bei den "Hits" zur Fußball-EM. Grönemeyer und Mark Foster setzen auf Pathos mit House-Beats. Da kommt hoffentlich noch was Besseres. Ein Kommentar.

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Was werden die Fans dieses Jahr zur Fußball-EM singen. Die Auswahl bislang: dröge.
Was werden die Fans dieses Jahr zur Fußball-EM singen. Die Auswahl bislang: dröge.Foto: Ole Spata/dpa

It’s coming home, it’s coming home, it’s coming, football’s coming home. Gibt es jemanden, ob Fußball-Fan oder nicht, der die Melodie von “Three Lions” nicht sofort mitgrölen kann? Sicher nicht viele. Das Lied der Band “The Lightning Seeds” zur Europameisterschaft 1996 ist noch heute der Ohrwurm der Herzen, sogar Deutschland-Fans hört man den Song singen. Außerdem erscheint er alle paar Jahre als Neuauflage von immer einem anderen Musiker, wie zum Beispiel Robbie Williams 2010.

Melancholisches mit ganz viel Pathos

Auch wenn die ultimative EM-Hymne also schon geschrieben ist, versuchen sich natürlich trotzdem zu jedem Turnier Künstler an einem neuen Hit, der die Verkaufszahlen der Musiklabels in die Höhe treibt und das Wir-Gefühl der Fans durch gemeinsame Grölbarkeit stärkt. Schade nur, dass es dieses Jahr zur anstehenden Europameisterschaft gar so dröge Lieder sind. Aber es erscheinen sicherlich noch einige mehr, man darf hoffen, dass eines dabei sein wird, das für Fußballfreude steht - und nicht für melancholisches Gesäusel mit ganz viel Pathos.

Bis jetzt veröffentlicht wurden die Songs der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die die Spiele ab dem 10. Juni live übertragen. Bei Zwischensequenzen, Zusammenfassungen und Werbepausen innerhalb der Spielberichte werden ab nächster Woche also in Dauerschleife die neuen EM-Songs laufen. Auch das offizielle Uefa-Lied aus Frankreich ist schon veröffentlicht.

Herbert Grönemeyer, Mark Foster, David Guetta, Kazim Akboga

Die ARD hat sich mit „Jeder für Jeden“ von DJ Felix Jaehn und Herbert Grönemeyer bislang die prominentesten deutschen Musiker für ein EM-Lied ausgesucht. Musikalisch ist es eine gewöhnungsbedürftige Mischung aus House-Beats und der typisch knarzigen Stimme Grönemeyers. Als Stadionhit wird es aber eher nicht taugen. Schnulzig ist es und ein bisschen lahm. "Jeder Versuch ist ein Schatz für sich", "Einer für alle und alle Eins mit dir", "Du hörst den Ruf, es gibt kein Halten mehr", reiht Grönemeyer eine Floskel an die nächste, da hilft auch nicht der Beat vom DJ, der ohnehin nicht für ein sportliches Tempo sorgt. Grönemeyers Fifa-Hymne "Zeit, dass sich was dreht" zur Fußball-WM 2006 war da noch fetziger. Aber für die Rückblenden der besten Spielszenen in der ARD mag es reichen.

Noch trauriger stimmt einen der EM-Song des ZDF „Wir sind groß“ von Mark Foster. Ein hübsches Lied, getränkt in Melancholie. „Für immer jung und zeitlos“ ist ein Teil des Refrains. Was das alles mit Fußball zu tun hat, ist nicht klar - das Lied erscheint auf dem neuen Album "Tape", hat aber durch die Video-Aufmachung in den französischen Tricolore zumindest einen Bezug zur Europameisterschaft.

Am meisten mit Fußball hat „Deutschland is` gute Land“ von Sänger Kazim Akboga zu tun, der es mit dem BVG-Werbelied "Is’ mir egal" zu einiger Bekanntheit gebracht hat. Im Nuschel-Halbgesang des EM-Songs heißt es jetzt: "Deutschland is` gute Land, Deutschland kommt ins Final', Deutschland holt das Pokal". Während man die Melodien von Grönemeyer und Foster sofort wieder vergisst, ist das lustig gemeinte Lied von Akboga dank der dauernden Wiederholung des Refrains immerhin ein Ohrwurm. Aber auch hier herrscht beim Hören das Gefühl vor, dass das Lied nicht für den fiebernden Fußballfan geschrieben wurde, sondern für den Geldbeutel.

Also kommt da noch was Mitreißenderes? Den "Sportfreunden Stiller" hat man zur Weltmeisterschaft vor zehn Jahren bei ihrem "'54, '74, '90, 2006" jedenfalls geglaubt, dass die Liebe zum Fußball mit im Tonstudio war. Liebevoller wird es zwar beim offiziellen EM-Song von David Guetta mit Zara Larsson. Mit „This One's For You“ hat der französische Vorzeige-DJ aber nur mal wieder alle Register der Großraum-Dorfdisko-House-Musik gezogen. Da wünscht man sich schon "Waka Waka"-Shakira zurück.

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