Sport : Die Sonne im Bauch

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In unserer Serie widmen wir uns Körperstellen, die für Athleten besondere Bedeutung haben. Heute: der Solar Plexus beim Boxen.

Der Solar Plexus ist ein K.o.-Punkt. In vielen Kampfsportarten, speziell beim Boxen, gilt der Solar Plexus (der richtig Plexus solaris heißt) neben der Kinnspitze, den Schläfen und der Leber als prominentes Angriffsziel. „Der Plexus solaris ist fast schon ein mystifizierter Begriff“, sagt der Hamburger Arzt und Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, Bodo Eckmann. Als genauen Punkt gibt es ihn eigentlich nicht. Hinter dem Plexus solaris verbirgt sich vielmehr ein Nervengeflecht. Das macht die Lagebeschreibung schwierig. Äußerlich betrachtet liegt dieses Geflecht ungefähr auf der Höhe zwischen Brustbein und Bauchnabel. Schon ein leichter Schlag darauf kann ausreichen, um den Boxer für kurze Zeit kampfunfähig zu machen. Durch seine leicht nach vorne gebeugte Haltung verringert der Boxer zwar das Risiko, dort getroffen zu werden. Eine effektive Verteidigungsstrategie gibt es aber nicht.

Das wegen seiner strahlenförmigen Form als Sonnengeflecht bezeichnete Gewebe liegt nicht, wie oft vermutet, unmittelbar unter der Oberfläche, sondern tief im Bauchinneren. Ein Teil des Nervengeflechts wird von einem sehr wichtigen Hirnnerv (Nervus vagus – „der Umherschweifende“) gebildet. Ein Schlag darauf könne zu einer Überreaktion des Plexus solaris führen und „schwere vegetative Störungen bis zum Schock oder Ohnmacht nach sich ziehen“, sagt Eckmann. Der Herzschlag wird wesentlich verlangsamt, ein Stillstand ist die mögliche Folge. Deshalb wird dieser Punkt oft auch als „Point of no return“ bezeichnet.

Ein Schlag auf diesen Punkt ist mit starken Schmerzen verbunden, der Boxer sinkt in der Regel sofort zusammen. Dieser Reflex, den „der Körper vernünftigerweise eingerichtet hat“, schütze vor schlimmeren Folgen, während etwa nach Schlägen auf die Schläfe oder schweren Leberhaken meistens weitergeboxt werde, sagt Eckmann. miro

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