Sport : Die Sparsamen

In 18 Tagen durch die Liga (11) – die Serie zum Fußball-Saisonstart/Heute: VfB Stuttgart

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Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 9. August. Anhand von zehn Fragen stellen wir bis dahin alle 18 Vereine vor.

Wer hat das Sagen? Manager Rolf Rüssmann ist der starke Mann. Allerdings läuft sein Vertrag am 31. Dezember 2003 aus. Bis dahin muss er dem mit 20 Millionen Euro verschuldeten Klub konkrete Ergebnisse vorweisen. Entscheidend wird vor allem sein, wie Rüssmann die Diskussion um den von ihm angeregten zehnprozentigen Gehaltsverzicht übersteht. In der Öffentlichkeit kam seine Initiative gut an. Nur von Trainer Felix Magath und ein paar Spielern war ein leichtes Murren zu vernehmen. Marketingdirektor Peter Godenrath hat im Duell mit Rüssmann bereits den Kürzeren gezogen und schied aus dem Vorstand aus. Ein neu formierter Aufsichtsrat um Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt könnte ein Gegengewicht schaffen.

Was ist das Besondere? Der VfB Stuttgart geht das zweite Jahr ohne namhafte Zugänge in die Saison. Zwei, drei Verstärkungen hatte sich Trainer Felix Magath gewünscht und zunächst von einer schweren Runde gewarnt. Jetzt loben die Schwaben die neue Harmonie im Team. Bisher gelang es dem Verein nicht, Spieler zu verkaufen, um Geld einzusparen. Weiter belastet wird der schwäbische Klub durch die Vergangenheit. Die Staatsanwaltschaft untersucht die Ausgabenpolitik der Ära des jetzigen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder sowie dessen Steuerangelegenheiten.

Was hat sich verbessert? Die Stuttgarter versuchen immer noch, ihre Marketingeinnahmen zu steigern. Deshalb soll ein neuer Mann eingestellt werden, der von einem namhaften Unternehmen der großen Vermarkter kommen soll. Manager Rüssmann betont, das Wichtigste sei Ruhe im Verein. Auf diese Weise will der Klub ins internationale Geschäft, was die Finanzlage verbessern würde. Möglicherweise schaffen die Stuttgarter das noch in diesem Sommer. Im Halbfinal-Hinspiel des UI-Cups besiegte der VfB den kroatischen Klub NK Slaven Belupo mit 2:1.

Wie sicher ist der Trainer? Felix Magath steht außerhalb jeder Diskussion. Mit gemeinsamen Ausflügen im Trainingslager in Österreich gelang ihm eine deutliche Verbesserung des Klimas. Selbst der zu Anfang misstrauisch beäugte Portugiese Fernando Meira (für den Rekordbetrag von 7,5 Millionen Euro im Winter geholt) scheint integriert. Die jungen Spieler respektieren den erfahrenen Coach, der viele Gespräche führt. Bisher konnte er sein Schleiferimage ablegen, dafür ist nun der neue Konditionstrainer Werner Leuthard zuständig. Magath arbeitet seit anderthalb Jahren in Stuttgart. Bewusst setzt er auf die Nähe zu Balakow und Soldo.

Wie passen die Neuen? Die Neuen spielen keine große Rolle. Weder Amanatidis (Fürth), Famewo, Mutzel (Frankfurt), Adrion, Handschuh (eigene Jugend) noch Benagli (Zürich) sind für die Startelf vorgesehen. Der VfB gab nur rund 250 000 Euro aus. Das Verhältnis der Mannschaft zu Meira, der seit sieben Monaten beim VfB spielt, hat sich entspannt.

Welche Taktik ist zu erwarten? Magath lässt meist eine 4-4-2- oder 4-5-1-Taktik spielen. Dreh- und Angelpunkt bleibt Balakow. Der Weißrusse Aliaksandr Hleb, der als Kronprinz des bulgarischen Spielmachers gilt, ist laut Magath noch nicht so weit, ein Spiel lenken zu können. Zum prägenden Mannschaftsteil könnte die Abwehr um Bordon, Meira, Wenzel und Hinkel werden, wenn die jungen Spieler ihre Leistung stabilisieren und Meira sowie Bordon die Fehlerquote senken. Im Angriff konkurrieren Dundee und Ganea.

Wer sind die Stars? In erster Linie stehen Balakow und Soldo. Gleich dahinter kommen die Jungstars wie Torwart Timo Hildebrand sowie die Außenverteidiger Andreas Hinkel und Timo Wenzel. Auf dem Weg zur festen Größe sind außerdem der Brasilianer Marcelo Bordon sowie Fernando Meira, von dem Rüssmann sagt, er werde einer der nächsten Kapitäne der Mannschaft.

Wie wird der Mangel verwaltet? 20 Millionen Euro Schulden (dazu kommt der Rückgang von Fernsehgeldern um 5,5 Millionen Euro) belasten schwer. Die schwierige Lage sowie die Skandale um Mayer-Vorfelder schreckten bisher solvente Sponsoren ab. Die Spieler müssen für Trikots, die sie ins Publikum werfen, künftig zahlen. Manager Rüssmann will billigere Hotels ausfindig machen, damit eingespart werden kann. Statt immer ins Flugzeug zu steigen, wollen die Schwaben öfter mit dem Zug fahren. Dazu kommt die Diskussion um zehn Prozent Gehaltsverzicht. „Dafür müssen wir ein Bewusstsein schaffen“, sagt Rüssmann. „Wir werden das schaffen. Darüber werden sich noch manche wundern." 24,5 Prozent der Marketingrechte sind an den Rechteverwerter ISPR verkauft. Sie sollen möglichst bald an den Klub zurückfließen.

Was gibt das Stadion her? Wenn es ausverkauft ist, ist die Atmosphäre durchaus stimmungsvoll. Für die WM 2006 wurden bereits 55 Millionen Euro in den neuen Oberrang der Haupttribüne, neue VIP-Räume und ein neues Parkhaus mit Übergang ins Stadion gesteckt. Die Gegengerade soll ähnlich erweitert werden. Das Daimler-Stadion hätte dann eine Kapazität von rund 60 000. Zu viel, wie der VfB Stuttgart meint. Die Schwaben fürchten, im Alltag in einer halb leeren Arena spielen zu müssen. Der ehemalige Präsident Mayer-Vorfelder aber träumt von einem WM-Halbfinale in Stuttgart.

Wie sind die Fans? Die Anhänger träumen von den guten alten Zeiten beim VfB, als das „magische Dreieck“ um Bobic, Elber und Balakow Tore am Fließband schoss und Jürgen Klinsmanns blondes Haar durch den Strafraum wehte. Meisterschaften oder ähnliche Erfolge aber sind diesmal utopisch. Mit Ungeduld durchschreiten die VfB-Fans mit ihrem Klub ein tiefes Tal, freuen sich aber über den Wandel zum Team der „Jungen Wilden". Oliver Trust

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