• Die Spiele am Abend: Letzter Stand: Neues aus Gruppe Ö - zwischen Cordoba und Gijon

Die Spiele am Abend : Letzter Stand: Neues aus Gruppe Ö - zwischen Cordoba und Gijon

An dieser Stelle erfahren Sie täglich um 16 Uhr die letzten Neuigkeiten vor dem Anpfiff der Spiele des Abends.

Andreas Bock[11 Fre],e

Österreich - Deutschland
Gruppe B, Ernst-Happel-Stadion, Wien, 20.45 Uhr, ARD



Als Hans Krankl nach dem Córdoba-Spiel 1978 das Spielfeld verließ, vollkommen endorphingeschüttelt an den Journalisten vorbeistakste, hatte er seinen Kübel voll Spott noch längst nicht ausgeschüttet. Er stellte sich vor die mit Schreibblock und Fotokameras bewaffneten Journalisten der „Bild"-Zeitung und rief inbrünstig: „Ihr habts a Mordsglück gehabt, dass i nett in Form war." Die „Bild"-Zeitung revanchierte sich tags darauf mit der Veröffentlichung von Krankls privater Telefonnummer.

Ist alles halb so wild gewesen, sagt Krankl heute. Sowieso: Wirklich viel sagen zu Córdoba will der Siegtorschütze des 3:2 kurz vor der Neuauflage nicht. Lediglich im ZDF entglitt Krankl heute ein Satz, ein zwischen-Tür-und-Angel-Tipp, vor dem er sich fast selbst erschrak: „3:2 für Österreich." Dann fügte er rasch hinzu: „Entschuldigen Sie!"

Krankl scheint jedenfalls begriffen zu haben, dass jenes „Wunder von Córdoba" wie Zentnerlasten auf den Schultern aller nachfolgenden österreichischen Nationalmannschaften lag. Indes in Deutschland wissen einige Spieler vermutlich nicht mal, was das ist: Córdoba. Ein Tanzstil, ein spanischer Wein, ein Kleinwagen? Und die, die ahnen, warum das „Wunder" auf Deutsch „Schmach" heißt, zucken allenfalls mit den Achseln - aus Gleichgültigkeit. Wieso das so ist, erklärt Hans-Dieter Hermann, der DFB-Psychologe: Córdoba sei nichts als ein „kleiner Mythos", zudem einer, der „keinerlei Einfluss auf unsere Spieler" habe. Durchatmen!

Nun zu dem, was wirklich zählt: Spieler, Trainer, Fakten, Fakten, und: Fakten. Während Hickersberger öffentlich darüber nachdenkt, was er mit Spieler wie Robben oder van Persie machen würde, wenn er sie denn auf der Bank sitzen hätte („Vermutlich würde ich sie auch einwechseln, vielleicht wären sie bei mir sogar Stammspieler"), gibt sich Löw reservierter: „Die Mannschaft wird definitiv anders auftreten", sagt Jogi. Na bitte.

PS: Heute war in der „Bild" keine Telefonnummer zu finden. Dafür dieses poetische Highlight: „Auf Wienersehen ihr Ösi-Würstchen!"

Österreich:
Macho - Garics, Stranzl, Pogatetz, Gercaliu - Aufhauser, Leitgeb - Ivanschitz, Korkmaz - Harnik, Linz.
Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Frings, Ballack - Fritz, Hitzlsperger - Klose, Podolski.


Polen - Kroatien
Gruppe B, Wörtherseestadion, Klagenfurt, 20.45 Uhr, live bei Eins Festival

Die Luft scheint längst raus. Und Leo Beenhakker tat heute vor der Presse ganz so, als ob die Koffer längst gepackt sind und die Heimfahrttickets in der Hotellobby zur Abholung bereit liegen. „Das einzige, was wir machen können, ist, das Spiel gegen Kroatien zu gewinnen", bemitleidet sich Beenhakker selbst. Der Niederländer klingt gar nicht mehr so alt und weise wie noch vor ein paar Monaten. Obwohl: Alt, das natürlich, das graue Haar aber wirkt nun nicht mehr wie das des Leibhaftigen. ER, der nach der Qualifikation Polens von Staatspräsident Lech Kaczynski mit dem Orden „Polens Wiedergeburt" ausgezeichnet wurde, sieht das Trainerkarussell vorbeifahren: In der nächsten offenen Gondel sitzt schon Janusz Wojcik, bereit zum Aussteigen. „Ich liebe meinen Job. Aber wenn die Verbandsverantwortlichen der Meinung sind, er sei die bessere Wahl, dann muss ich das so hinnehmen´, sagte Beenhakker der Tageszeitung „Polska The Times".

Warum Polen heute Abend überhaupt noch aufläuft, fragt sich scheinbar auch Jacek Krzynowek: „Wir haben nur geringe Chancen", sagt der Mittelfeldspieler, der, so Beenhakker, nicht das zeigt, was er wirklich kann.

Kroatien hat auch wenig Lust, wird mit der B-Elf der B-Elf auflaufen. Aus der Startformation vom 2:1 gegen Deutschland werden nur Torwart Stipe Pletikosa sowie Ivan Rakitic und Danijel Pranjic von Beginn spielen, Ivica Olic und Luka Modric, beide leicht angeschlagen, werden geschont. Slaven Bilic: „Wir werden kein Risiko eingehen, wir sind ja keine Idioten", sagt der zersauste Seitenlinien-Rocker.

Einerseits „Córdoba 1978", auf der anderen „Gijon 1982"? Es scheint ganz so.

PS: Dass die Kroaten keine Angeber sind, sondern mit beiden Beinen fest auf dem Boden Realität stehen, beweist Verbandspräsident Vlatko Markovic, der glaubt, dass Kroatien schon jetzt Welt-, pardon, Europameister ist. „Nur die Niederländer können mithalten mit uns."

Polen: Boruc - Wasilewski, J. Bak, Mi. Zewlakow, Dudka - Lewandowski - Lobodzinski, Krzynowek - Roger Guerreiro - Smolarek, Saganowski
Kroatien: Pletikosa - Corluka, Simic, Knezevic, Pranjic - N. Kovac - Vukojevic, Kranjcar, Rakitic - Klasnic, Petric


0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben