Sport : „Die Spiele sind ein Meilenstein“ IOC-Chef Thomas Bach verteidigt Sotschi 2014

Sotschi - Thomas Bach fühlte sich in seiner Rolle als Olympia-Macher sichtlich wohl. In einem beigefarbenen Winterpullover referierte der IOC-Präsident am Montag über die Rekordspiele in Sotschi, umriss seine Reformpläne und verkündete stolz das Kommen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur 126. IOC-Vollversammlung in dieser Woche. „Er ist meiner Einladung gefolgt. Es ist das erste Mal, dass ein UN-Generalsekretär zu einer Session des IOC kommen und dort eine Rede halten wird“, sagte der deutsche Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Auch bei seinem ersten Auftritt vor der Weltpresse in Sotschi verkaufte Bach die Putin-Spiele als ausgezeichnet organisiertes Winter-Spektakel für die Athleten – und als Beleg dafür, dass das IOC mit seinem Hochglanzprodukt hilft, ein Land und dessen System besserzumachen. Ganz egal, wie heftig Politiker, Olympia-Gegner oder die Medien die Sotschi-Spiele kritisieren und das IOC als Institution mit verantwortungslosem Konzerndenken bezeichnen, das vor allem die Erschließung neuer Märkte im Kopf habe. „Die Olympischen Spiele sind ein Meilenstein für die Einwicklung von Wintersport“, erklärte Bach. 87 teilnehmende Nationen und TV-Übertragungen in mehr als 200 Ländern bedeuteten einen neuen Rekord.

Bach muss die Spiele schützen und gibt sich gleichzeitig als Reformer. Diesen Spagat zwischen Pragmatismus und Gestaltungswillen halten ihm Kritiker als wenig glaubwürdig vor. Nach außen verteidigt Bach Dinge, die er bei der Neuausrichtung des IOC ändern will. Bei der Session von Mittwoch bis Freitag sind für die Diskussion über die Zukunft der Organisation eineinhalb Tage vorgesehen. „Wir werden uns auf drei Themenbereiche konzentrieren: Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit und Jugend“, sagte Bach. Nach Sotschi werden Arbeitsgruppen Empfehlungen vorschlagen, die bis Ende 2014 abgesegnet werden und in ein Strategiepapier „Olympische Agenda 2020“ einfließen sollen.

Bach versucht bei der ersten Herausforderung seiner knapp fünfmonatigen Amtszeit, immer wieder eine Grenze zu ziehen zwischen den nationalen Herausforderungen Russlands und der eigentlichen Mission von Olympia. Er begründete die Vergabe der Reißbrett-Spiele an Sotschi mit dem Aufbau eines neuen Wintersportzentrums in Russland. Am Sonntag brüstete sich Kremlchef Wladimir Putin allerdings, den Austragungsort für die ersten Winterspiele in Russland selbst ausgesucht zu haben. Er bedauerte, dass nicht alle Länder Russland bei diesem Projekt unterstützt hätten. Wenigstens das IOC habe die Begeisterung der russischen Bevölkerung verstanden. dpa

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