Sport : „Die Spieler sind sehr selbstkritisch“

U-21-Trainer Dieter Eilts über die neue Qualität des deutschen Nachwuchses.

Stefan Hermanns,Michael Rosentritt

Herr Eilts, wer ist der bessere U-21-Trainer: Joachim Löw oder Dieter Eilts?

Dieter Eilts. Weil ich mich in den betreffenden Jahrgängen besser auskenne.

Aber Löw setzt in der Nationalmannschaft auch etliche U-21-Spieler ein.

Jetzt nur noch Gonzalo Castro. Alle anderen dürften gar nicht mehr bei mir spielen. Aber Sie haben recht: Seitdem ich für die U 21 verantwortlich bin, haben Castro, Hilbert, Gomez, Kießling, Rolfes, Schulz, Helmes, Trochowski, Sinkiewicz, Mertesacker, Jansen, Odonkor und Hanke in der A-Mannschaft debütiert. Eine passable Anzahl für drei Jahre.

Wie groß ist Ihr Einfluss, ob ein Spieler den Sprung wirklich schafft?

Die Hauptarbeit wird in den Vereinen erbracht. Wir können den Spielern Spielpraxis auf internationalem Niveau geben, die sie in den Vereinen manchmal nicht bekommen. In Nuancen können wir ihnen helfen.

Zum Beispiel?

Das sind teilweise ganz einfache und kleine Dinge, das Freilaufen, die Ballan- und -mitnahme, das Zweikampfverhalten. In der Summe machen sie dich ein Stückchen besser. Nehmen Sie nur mal die Videoanalyse. Ich habe zwei Laptops besorgt, die Spieler sollten Szenen von sich zusammenstellen, ihre Stärken und Schwächen, die haben wir uns gemeinsam angeguckt. Die Spieler sind da sehr selbstkritisch.

Wie groß ist die Bereitschaft der jungen Spieler, zusätzlich an sich zu arbeiten?

Groß, sehr groß sogar. Man muss ihnen aber auch entsprechende Angebote machen. Das ist nicht immer einfach, weil die Spieler in ihren Vereinen recht unterschiedlich belastet werden. Wir machen den Spielern Vorschläge, die mit ihren Vereinstrainern besprochen sind.

Wenn Sie sich bestimmte Qualitäten von anderen Nationen wünschen könnten, welche wären das?

Wir haben selbst genügend Qualitäten, die uns zu Welt- und Europameistern gemacht haben. Unsere Stärken werden oft übersehen. Wir müssen unsere Philosophie weiterentwickeln. Die Strukturen, die Jürgen Klinsmann und Joachim Löw geschaffen haben, sind richtig und stabil.

Würden Sie gern mal bei Löw hospitieren?

Das geht schon organisatorisch gar nicht. Immerhin habe ich das Glück gehabt, dass ich mit Joachim die Trainerausbildung gemacht habe.

War Löw in diesem Lehrgang der informelle Anführer der Gruppe? Er hatte immerhin schon Bundesliga-Erfahrung.

Nein, Andreas Zachhuber war ja auch noch dabei, der hat damals Hansa Rostock trainiert. Beide hatten uns Spielern eines voraus: Sie wussten, wie man vor einer Mannschaft auftreten muss.

Jürgen Klinsmann hat einmal erzählt, dass er es beeindruckend fand, wie Löw …

… die Viererkette erklärt hat? Das war in der Tat beeindruckend: Wie schnell und mit wie wenigen Worten er ganz genau beschrieben hat, was er von den einzelnen Positionen erwartet. Joachim hat sehr kurz und exakt geredet.

Was können Sie am besten erklären?

Die Gräääätsche. Nein, im Ernst. Es geht ja nicht nur ums Erklären. Enorm wichtig ist auch die Fähigkeit, ein Team zu bilden. Was nützen dir die besten Fußballer, wenn du nicht in der Lage bist, sie dazu zu bringen, ihr Potenzial in den Dienst der Mannschaft zu stellen? Das versuche ich meinen Jungs immer wieder klarzumachen. Die U 21 ist keine Bühne zur Selbstdarstellung. Je besser die Mannschaft funktioniert, desto besser kommt jeder Einzelne weg.

Das hört sich an wie EM 1996: Der Star ist die Mannschaft.

Nein, das ist Otto Rehhagel. Das hat er uns immer schon beigebracht. Um Titel zu gewinnen, braucht man die Fähigkeiten außergewöhnlicher Spieler, aber wenn die Spieler permanent nur die außergewöhnlichen Dinge machen, wird die Mannschaft keinen Erfolg haben.

Das Gespräch führten Stefan Hermanns und Michael Rosentritt.

Dieter Eilts, 42,

trainiert seit 2004 das deutsche U-21- Team, das gestern beim Turnier in Hyéres 0:0 gegen die Elfenbeinküste spielte. Als Spieler wurde Eilts 1996 Europameister.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben