Sport : „Die Spieler sind zu streng abgeschirmt“

Anke Huber über die Probleme im Damen-Tennis und den Reformstau im deutschen Verband

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Frau Huber, das deutsche Damen-Tennis macht eine Schwächephase durch. Eine Spielerin, die in die Weltspitze vorstoßen könnte, ist im Moment nicht in Sicht, oder?

Das stimmt. Ein Höhenflug ist nicht zu sehen. Es sind wenige Spielerinnen da, und die, die da sind, sind nicht weit vorne. Wir haben 10 bis 15 Jahre lang Top-Spielerinnen gehabt. Jetzt haben wir noch vier, fünf Juniorinnen, die gut werden können.

Die Nachwuchsarbeit des Deutschen Tennis Bundes (DTB) wird häufig kritisiert. Fehlt es an Geld oder an Ideen?

Es war ein bisschen Chaos beim DTB. Dies und die Geldsorgen dürfen aber nicht zum Nachteil für die Mädchen werden. Es müssen genug Trainer da sein. Dort zu sparen wäre völlig falsch.

Sie sollen eine Aufgabe im Nachwuchsbereich bei den 14- bis 16-Jährigen übernehmen. Stimmt das?

Bis Anfang nächsten Jahres soll etwas passieren. Es laufen Gespräche mit Unternehmen, die sich engagieren wollen. Ich werde aber weder als Trainerin noch als Kapitän für das Fedcup-Team zur Verfügung stehen. Ich habe keine Trainerlizenz, ich werde nur meine Erfahrung einbringen können und in Trainingslagern oder bei Turnieren vorbeischauen.

Der einstige Daviscup-Kapitän Michael Stich hat den DTB für seine Strukturen hart kritisiert und Reformen gefordert.

Stich hatte gute Ideen in seinen Planungen, bei ihm aber gab es noch andere Probleme mit dem DTB. Trotzdem müssen sich einige Strukturen ändern. Die Landesverbände haben seit langem viel Einfluss, jeder kocht sein eigenes Süppchen.

Wie sehen die Ideen von Stich und Ihnen aus?

Stützpunkte müssen zusammengelegt werden. Spieler sollen zusammen trainieren. Es muss eine klare hierarchische Verantwortung geben. All das fehlt.

Im Tennis allgemein gehen die Einnahmen durch Sponsoren zurück. Müssen nun auch Spielerinnen und Spieler umdenken und sich dem Publikum mehr öffnen?

Wenn die Preisgelder so hoch bleiben sollen, muss sich etwas ändern. Die Spieler sind zu streng abgeschirmt. Es muss möglich sein, kurz vor dem Spiel kleine Interviews zu machen.

Werden die Medien zu sehr vernachlässigt?

Viele Spieler kümmern sich zu wenig um dieses Problem. Vor allem die Amerikanerinnen wissen und begreifen das noch nicht. Und auch der Frauenverband WTA muss da endlich mal umdenken.

Das Gespräch führte Oliver Trust .

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