Sport : Die Spielerbörse

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Ulsan (dpa). Am Tag wird hart gearbeitet. Das Training ist nicht bloß netter Zeitvertreib vor dem Einsatz, sondern dort wird geschimpft und gestikuliert und gemurrt. Abends aber herrscht launige Stimmung. Da gibt es Samba-Runden mit Trommeln, es wird gesungen, und irgendjemand greift immer in die Gitarrensaiten. So bereitet sich Brasilien im südkoreanischen Ulsan auf sein erstes WM-Spiel, am 3. Juni gegen die Türkei, vor. „Stressmethode“, nennt die Zeitung „Jornal do Brasil“ die Gewohnheit von Trainer Luiz Felipe Scolari, die Weltstars um Ronaldo und Rivaldo bei den Übungen aufs Übelste zu beschimpfen. Die Spieler hätten sich daran gewöhnt.

Vielleicht ist das sogar wahr. Denn alle Beobachter und Mannschaftsinsider sind sich einig, dass nicht der Feldwebel-Ton derzeit das größte Problem der Brasilianer darstellt. Für viel mehr Unruhe sorgten die ständigen Diskussionen im Kader um Vereinswechsel. Viele Spieler räumen ein, dass sie sich stark mit Wechselgedanken beschäftigen. Im Mannschaftshotel gehen Vereinsmanager und Spieleragenten ein und aus. „Das kann doch nicht gut sein für die Konzentration der Jungs“, sagt ein brasilianischer Journalist.

Unter denen, die sich nicht nur mit der WM, sondern auch mit ihrer Zukunft beschäftigen, ist der Leverkusener Lucio. Der Abwehrspieler bestreitet zwar, dass sein Wechsel zu Real Madrid bereits perfekt sei. Aber er gibt zu, dass er aus Deutschland weg will. Die Superstars Rivaldo und Ronaldo wollen hingegen bei ihren jeweiligen Vereinen FC Barcelona und Inter Mailand bleiben. Doch da wollen, behaupten jedenfalls diverse Zeitungen, die jeweiligen Vereinsbosse nicht mitmachen. Die Spieler seien „ausgelaugt“.

Angeblich sieht Manchester United das nicht so. Die Engländer wollten Ronaldo verpflichten, schreibt die brasilianische Zeitung „Folha de Sao Paulo“. Fast perfekt ist offenbar der Wechsel von Mittelfeldspieler Gilberto Silva zum spanischen Villareal.

Einige Beobachter sehen schon Indizien für mangelnde Konzentration der brasilianischen Profis. Am Mittwoch wurden bei einem Trainingsspiel gleich acht Elfmeter verschossen - Medien und Fans stürzten sich auf diese Bilanz. Noch skeptischer wurden Journalisten, als sie hörten, dass Scolari stundenlang weite Einwürfe in den Strafraum üben ließ. Und dann fiel ihnen auch noch auf, dass der verletzungsgeplagte Ronaldo abwesend wirkt. Da hilft es wenig, dass Weltklasseverteidiger Roberto Carlos (Real Madrid) versucht, Entwarnung zu geben: „Keine Angst, wir werden gewinnen und dazu unseren traditionell schönen Fußball spielen.“ Das müssen sie erstmal beweisen, die Brasilianer.

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