Sport : Die Sponsoren hören jetzt besser zu

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Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft überraschend Vizeweltmeister geworden. Wird dieser Erfolg den Bundesligisten die Fans in die Stadien treiben?

Die Nachfrage nach Karten war ohnehin schon gut. Aber dieser Erfolg wird sie noch verstärken. Erste Ergebnisse beim Dauerkarten-Verkauf scheinen dies zu bestätigen.

Womöglich wäre diese Nachfrage auch so gut, wenn Deutschland im Achtelfinale rausgeflogen wäre. Nachdem die Nationalmannschaft eine schlechte WM 1998 und eine katastrophale EM 2000 gespielt hatte, sanken die Zuschauerzahlen in der Bundesliga nicht. Wird ein Erfolg bei einer Weltmeisterschaft vielleicht auch überschätzt?

Nein. Der Fußball bewegt sich in Deutschland generell auf sehr hohem Niveau, enorme Zuschauereinbußen und -zunahmen sind sowieso sehr unwahrscheinlich. Aber der Trend ist entscheidend. Und der wird noch deutlich positiver ausfallen und bis zur WM 2006 in Deutschland anhalten.

Und wenn die neue Bundesliga-Saison mit vier langweiligen Spieltagen beginnt?

Die Bundesliga ist nicht langweilig. Dafür schreibt sie zu viele interessante Geschichten, über Spieler, über Vereine, über Talente, über neue Stars. Es gibt sehr viel zu erzählen.

Also benötigt die Bundesliga gar keine Hilfe von der Nationalmannschaft?

Bundesliga und WM sind deutlich unterschiedliche Produkte. Bei der Bundesliga interessieren sich die Fans für eine Mannschaft, bei einer WM geht es um die Nationalmannschaften. Die WM hat gezeigt, dass sie Fans unterschiedlichster Klubs vereint.

Und diese Fans vergessen prompt, dass Deutschland bis zum Halbfinale nicht besonders spektakulären Fußball bot?

Gut, die Leistung spielt bestimmt eine Rolle. In Deutschland sind die Fans ja besonders anspruchsvoll. Ich gehöre selber zu denen, die Deutschlands Leistung über weite Strecken des Turniers kritisch gesehen haben. Aber mich hat sehr gefreut, dass die Spieler sich als Mannschaft präsentiert haben mit den exzellenten Führungsfiguren Rudi Völler und Oliver Kahn.

Die Vizeweltmeisterschaft ist sicher eine gute Sache. Aber treiben die Krise bei der Kirch-Media AG und die damit verbundene Reduzierung der Spielergehälter die Fans nicht noch stärker zum Fußball? Die Kluft zwischen Stehplatz-Besuchern und den Millionären in kurzen Hosen wird kleiner.

Für mich sind gerade die Spieler, die bei der Weltmeisterschaft positiv auffielen, gute Beispiele dafür, dass wieder eine erfrischende Normalität einsetzt. Schauen Sie mal das Zitat von Christoph Metzelder von Borussia Dortmund an: Der sagte, am meisten freue er sich nach der WM auf eine Currywurst mit seinen Freunden. Vor allem sind Kahn und Ballack durch ihre Leistung bei der WM anerkannt. Die liefern harte Arbeit für ihr Gehalt ab.

Die Vereine sind durch die Kirch-Krise mehr denn je auf hohe Zuschauerzahlen angewiesen. Was würden Sie einem Manager empfehlen, um die positive Stimmung auszunützen?

Für Manager ist es ein guter Zeitpunkt, mit Sponsoren zu sprechen. Das Produkt Fußball ist sehr gut, die Euphorie wird immer größer, je näher die WM 2006 kommt. Insofern ist die Aufnahmebereitschaft der Wirtschaft für faire partnerschaftliche Sponsoringverhältnisse sehr gut.

Kurz gesagt: Die Bundesliga-Manager können jetzt die Hand aufhalten.

Die Sponsoren hören jetzt besser zu als noch vor ein paar Monaten. Für Verträge, bei denen beide Partner profitieren und Verständnis für die Interessen des anderen existiert, ist derzeit der Boden sehr gut bereitet.

Das Gespräch führte Frank Bachner.

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