Sport : Die Sprache Sport

Wie ein türkischstämmiger Handballtorwart zum Duisburger Eishockey kam

Claus Vetter

Berlin - Gemütlich wirkt er, der groß gewachsene Mann. Die langen Haare hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Und seine markige Stimme verrät seinen Heimatort. „Duisburch“, sagt er. Doch ganz so einfach ist das bei Bülent Aksen nicht. Aksen ist in Duisburg geboren, hat einen deutschen Pass und sagt: „Ich bin Türke mit deutschem Ausweis, meine Identität ist eine Synthese beider Kulturen.“ Die offizielle Person Aksen hat schon eine Metamorphose hinter sich: Der ehemalige Profisportler arbeitet nämlich in einer Sportart, aus der er nicht kommt. Der frühere Handball-Bundesliga-Torwart des OSC Rheinhausen ist Marketingleiter beim EV Duisburg in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Aksen hat es in der Duisburger Sportszene zu einer gewissen „Regionalpopularität“ gebracht, wie er sagt. Früher war er beim MSV Duisburg schon Stadionsprecher und im Merchandising beschäftigt, hat sogar mit dem damaligen MSV-Stürmer Peter Közle eine Platte aufgenommen. Titel: „Duisburg“. Abseits der Heimatstadt ist er dagegen nicht immer glücklich geworden, Anfang 2005 wurde er als Manager von Handball-Bundesligist Wallau-Massenheim entlassen. Der Klub war in finanzieller Schieflage. Der 40 Jahre alte Aksen redet nicht so gern darüber. „Das ist ein komplexes Thema.“ Da seien zu viele persönliche Animositäten im Spiel gewesen.

Der „Ruhrgebietsmensch“, wie sich Aksen selbst sieht, hat die Sportart gewechselt, er ist der einzige türkischstämmige Klubverantwortliche in der DEL. Auch liegt der Weg vom Handball zum Eishockey nicht nahe. Für Aksen schon. „Der Duisburger Sport findet in einer überschaubaren Einheit statt“, sagt er. „Fußball, Handball, Eishockey – alles ist im Sportpark Wedau angesiedelt.“ Und er habe sich immer schon fürs Eishockey interessiert. „Ich war so bekloppt, als Handball-Bundesliga-Torwart zum Eislaufen zu gehen.“ Und: „Andere hatten einen Kicker zu Hause, ich aber ein Tisch-Eishockeyspiel.“ Da lag doch nahe, dass er den Job beim Aufsteiger EV Duisburg annahm. Und der studierte Diplom-Pädagoge mit „psychologischem Hintergrund“ und der Zusatzausbildung Kommunikation kommt verbal ins Rollen. „Wir müssen hier beim EV Duisburg etwas ganz Eigenes aufbauen. Unsere Bodenständigkeit, die enge Bindung zum Fan, das sind ganz starke Fundamente.“ Bislang tragen die Fundamente noch nicht so. Der Aufsteiger hat einen Zuschauerschnitt von 2408 pro Spiel, in einer Liga, in der es drei Klubs mit fünfstelligen Besucherzahlen gibt. Immerhin, heute wenn die Eisbären in Duisburg spielen, kommen Berliner Fans im Sonderzug angereist. „Da hat sich eine Fanfreundschaft entwickelt. Das haben wir unterstützt. Beim ersten Spiel waren nur 50 Berliner da, am Sonntag werden es 1000 sein.“

Vielleicht kommen heute endlich einmal wieder 4000 Zuschauer in Duisburg. Von viel mehr träumen sie auch erst einmal nicht, denn: „Ein Riesen-Dome würde zu uns nicht passen, es gibt schon zu viele Riesenarenen in der Umgebung. Wir brauchen Zeit, um hier etwas aufzubauen.“ Wenn sie die Zeit in der DEL noch haben. Die Teilnahme an der Abstiegsrunde droht. Dazu sagt der Marketingchef: „Bei der Analyse der sportlichen Seite bin ich Zaungast. Das ist Hoheitsgebiet von Trainer und Manager.“ Trotzdem, er kenne sich aus und sei sehr am Eishockey interessiert. „Es gibt ja selbst in der Türkei eine Eishockey-Liga.“ Und dann kommt er doch noch kurz auf seine Herkunft zu sprechen. „Es ist egal, ob ich Türke bin oder aus welcher Sportart ich komme“, sagt Bülent Aksen. „Ich spreche die Sprache Sport.“ Und das auf Ruhrpottdeutsch.

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