Sport : Die Sprünge im Kopf

Sven Hannawald sucht in Willingen nach seiner Form

Benedikt Voigt

Berlin. Seit geraumer Zeit verwendet Wolfgang Steiert einen Scherz, den nur die Experten des Skispringens verstehen dürften. „Ich als Hobbypsychologe“, sagt der Bundestrainer manchmal, dann schmunzelt er. Dazu sollte man wissen, dass der „Spiegel“ den gelernten Klempner einmal mit folgendem Satz zitiert hat: „Meine Stärke ist die Psychologie, ich schaue meinen Leuten in die Augen, und weiß sofort, was los ist.“ Der Satz sollte seine Selbstherrlichkeit dokumentieren. Seitdem jener Artikel erschienen ist, bezeichnet sich Steiert nur noch ironisch als Hobbypsychologe.

Wie es wirklich um seine Fähigkeiten steht, kann Steiert an diesem Wochenende beim Weltcupspringen in Willingen (jeweils 14.30 Uhr, live auf RTL) beweisen. Der Bundestrainer muss den verunsicherten Sven Hannawald erstmals wieder in einem Wettbewerb betreuen, seitdem dieser vor einem Monat aus dem Weltcup ausgestiegen ist. Steierts erste Maßnahme besteht darin, etwas Druck von seinem einstigen Star zu nehmen. „Wir haben keine Erwartungen an ihn“, sagt der Bundestrainer, „ich kann nicht sagen, wo er steht.“ Hannawald hat in den vergangenen Wochen gut trainiert, doch wie es mental aussieht, weiß er selber nicht. „Ich muss erstmal zu mir finden“, sagt er. Nach einem verunglückten Trainingssprung gelang ihm gestern immerhin als 26. die Qualifikation für das heutige Springen.

Zuletzt hatte der sensible Athlet die Methoden seines einstigen Heimtrainers kritisiert. In der vergangenen Woche haben sich beide ausgesprochen. Nun heißt es, dass ein Vertrauensverhältnis wie zuvor herrscht. Trotzdem muss Hannawald heute sogar um seinen Startplatz im Mannschaftswettbewerb bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica kämpfen. Nach den zuletzt schwachen Leistungen ist dieser nicht gesichert. Steiert sagt: „Es geht in Willingen um die Plätze im Teamwettbewerb.“ Damit hat Steiert den Druck, den er zuvor weggenommen hat, wieder etwas erhöht. Eine Maßnahme aus dem Handbuch der Hobbypsychologie?

Der Verband verkündete im Übrigen bereits, künftig die Hilfe eines professionellen Psychologen in Anspruch nehmen zu wollen.

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