Sport : Die stärkste Liga der Welt

Christoph Daum und die Zweitklassigkeit in Köln

Stefan Tillmann[München]

Vielleicht war er einfach nur enttäuscht. Er blickte auf den Tisch vor sich, seine Pupillen rasten von links nach rechts. Er stammelte Sätze, die irgendwo anfingen und nirgendwo endeten. Vom Grundsätzlichen („Es ist für mich immer noch das höchste Ziel, ein Spiel zu gewinnen“) kam er nur schwer auf das Konkrete („Die Allianz-Arena ist für den Gewinner ein schöneres Stadion als für den Verlierer“). Christoph Daum wirkte nach der 1:3-Niederlage seines 1. FC Köln bei 1860 München wie entrückt.

Es war sein erstes Spiel in diesem neuen Stadion des neuen Fußballdeutschlands. Vielleicht waren die 36 000 Zuschauer diesem „Festtag“ nicht angemessen, wie Daum das Spiel zwischen dem Neunten und dem Zehnten der Zweiten Liga genannt hatte. Vielleicht hätten es mehr als sechs Fotografen sein dürfen, die ihn ablichteten. Vielleicht ist der 53-Jährige nach seiner Zeit in der Türkei aber auch noch nicht wieder zu Hause, im neuen Fußballdeutschland.

Vor dem Spiel hatte er versucht, die Situation schön zu reden. „Die Zweite Liga ist vielleicht die stärkste Liga der Welt“, sagte Daum in einem Interview mit der Münchner „Abendzeitung“. Deswegen habe auch der Trainer keinen Schaden am schwachen Abschneiden des Traditionsklubs genommen. „Überall, wo ich hinkomme, schlagen mir unglaubliche Sympathien entgegen“, sagte er.

Christoph Daum ist beim 1. FC Köln mit mehr Macht ausgestattet als jeder andere Trainer der Liga. Sein Vertrag läuft bis 2010, doch er könnte bereits zum 1. Juni 2007 gehen. Er besitzt Ausstiegsklauseln für den Fall des Nichtaufstiegs oder wenn ein höherklassiger Klub anklopft. Er spricht von einem „Aufbauplan über drei Jahre“, doch zuletzt deutete er an, dass er geht, wenn der Aufstieg auch im nächsten Jahr nicht klappt. Aber welcher Verein würde ihn dann noch holen?

In Köln hat er Rückendeckung: Die Verantwortlichen um Wolfgang Overath und Michael Meier konnten sich mit seiner Verpflichtung selber retten. „Er ist der beste Trainer, den der FC je hatte“, hat Overath gesagt. Deswegen muss das Team herhalten, wenn es nicht läuft. Hören die Spieler noch auf Daum? Zuletzt beschimpfte er sein Team in der Halbzeit beim Spiel gegen Koblenz. „Die Worte bewegten sich am Rande der Beleidigungsklage“, sagte er. Köln gewann 3:1, Daum fühlte sich bestätigt. Immer häufiger sitzt er aber teilnahmslos am Rand. Am Freitag betrat er den Rasen vor dem Spiel nur für zwei Fernsehinterviews. Dann verschwand er wieder bis zum Spielbeginn.

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