Sport : Die starke Frau

Diskuswerferin Dietzsch sponsert ihren Verein

Paul Frommeyer[Neubrandenburg]

Es ist wohl eine Mischung aus Bodenständigkeit und großer Zuneigung, die Franka Dietzsch beim SC Neubrandenburg hält. Bei einem anderen Klub hätte sie es jedenfalls etwas bequemer. In diesem Winter hat sich der Klub wieder einmal unter großen finanziellen Lasten gekrümmt. „Wie jedes Jahr um die Zeit“, sagt Diskuswerferein Dietzsch. Der Klub hat offenbar noch kein Kapital daraus schlagen können, dass er nicht irgendein Verein ist. Mit Ralf Bartels (Gold im Kugelstoßen), Franka Dietzsch (Silber) und Petra Lammert (Bronze im Kugelstoßen) holten die Neubrandenburger immerhin drei der zehn deutschen Medaillen bei den Europameisterschaften 2006 in Göteborg. Außerdem ist Dietzsch derzeit die einzige deutsche Weltmeisterin der Leichtathletik; ihren Titel möchte sie dieses Jahr in Osaka verteidigen.

Da kamen die notorischen Finanzturbulenzen des Vereins ungelegen. Aus der Bahn wirft sie so etwas aber nicht mehr. Sie ist schließlich die starke Frau in der deutschen Nationalmannschaft. Während anderswo das Schachern um Verträge mit den Vereinen für die Spitzenathleten alljährlich so etwas wie der Epilog jeder Saison ist, hieß es für Dietzsch und Kollegen vor einigen Monaten: Spenden, um den Vereinsbetrieb überhaupt am Laufen zu halten. 3000 Euro zahlte sie aus eigener Tasche, Bartels und Lammert abgestuft nach dem Jahresverdienst etwas weniger. Das hält Dietzsch für ganz normal, „schließlich habe ich all die Jahre auch vom Verein profitiert“.

Von ihrer unkonventionellen Vereinsförderung hat sie indes nun in anderer Hinsicht profitiert. Als die Athleten spendeten, wollten auch andere Unterstützer nicht am Rand stehen. Die Sparkasse Neubrandenburg, eine der wenigen „richtigen“ Sponsoren des Vereins, stellte Dietzsch vom bisher geleisteten Dienst frei. Das Gehalt für die 25 Stunden pro Woche läuft für die Bankkauffrau weiter. Bis zu den Olympischen Spielen in Peking 2008 läuft die Vereinbarung. So ist die mittlerweile 39-Jährige im gesetzten Sportler-Alter im Grunde zum Vollprofi geworden – und zum Mäzen des eigenen Vereins, der kein monatliches Salär zahlt, nur Prämien im Erfolgsfalle.

„Mein Geld verdiene ich mit Wettkämpfen, wenn es läuft“, sagt Franka Dietzsch. Ausgezeichnet lief es bereits Mitte März beim EAA-Winterwurf-Cup in Jalta (Ukraine). 66,14 Meter flog die Ein-Kilo-Scheibe. Fast zwei Meter weiter als im Sommer in Göteborg (64,35 Meter), wo die amtierende Weltmeisterin sich einen emotionalen Luxus leistete: „Stinksauer“ zu sein, trotz der Silbermedaille. Die Enttäuschung war verständlich, schließlich hatte sie im Sommer die Weltrangliste angeführt und als sicherste Gold-Aspirantin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gegolten. Dietzsch sagt: „Ich hoffe, dass die Presse mir nicht wieder die Favoritenrolle für Osaka aufdrängt.“ Ein Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Japan hätte einen nicht unerheblichen Vorteil. Man kann viel Geld verdienen. Am lukrativsten ist der WM-Sieg mit 60 000 Dollar. Der SC Neubrandenburg würde sich auch darüber freuen.

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