Sport : Die Stars der anderen

Christian Hönicke über die vielen Handball-Zuschauer in Berlin

Christian Hönicke

Richtig geheuer ist es selbst den Füchsen Berlin nicht. Da verlieren sie Spiel um Spiel in der Handball-Bundesliga, und trotzdem rennen ihnen die Zuschauer die Bude ein. Sportlich spielen die Berliner gegen den Abstieg, in der Zuschauerstatistik sind sie als Sechste schon europapokalwürdig. Der Schnitt liegt inzwischen bei mehr als 5500 und damit um 1500 höher als kalkuliert – am Sonntag gegen den HSV Hamburg waren wieder mehr als 8000 in der Schmeling-Halle.

Manager Bob Hanning hat nun eine Studie in Auftrag gegeben, um sein unverhofft zahlreiches Publikum kennenzulernen. Es dürfte nicht unwahrscheinlich sein, dass darin die Einschätzung vertreten wird, die meisten Besucher kämen gar nicht wegen der Füchse. Sondern um die besten Handballer der Welt zu sehen, die um Berlin jahre-, ach was: jahrzehntelang einen riesigen Bogen gemacht haben. Auf diesen noch durch die WM verstärkten Effekt hat Hanning sicher spekuliert, als er die Füchse übernahm, aber das Ausmaß der Handball-Neugier in der Stadt und ihrem Umland dürfte selbst den abgebrühten Manager überrascht haben.

Dass die Zuschauermagneten bei den Gegnern spielen, ist momentan egal. Dauerhaft aber, das wissen auch die Verantwortlichen in Berlin, wird sich damit die Halle nicht füllen lassen. Wenn sich die Berliner am Spitzenhandball der anderen sattgesehen haben, werden sie ihn auch von der eigenen Mannschaft fordern. Dazu müssen die Füchse erst einmal die Klasse halten. Die Zuschauer haben ihren Teil beigetragen – laut Manager Hanning wurden die beiden neuen Spieler Kubisztal und Jaszka mit dem Überschuss aus den Ticketverkäufen bezahlt. Jetzt ist die Mannschaft dran.Seite 22

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