Sport : „Die Stars haben einen dicken Hals“

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Herr Wüst, wie sehr haben Sie in den zurückliegenden Stunden bedauert, dass im Rad-Team Coast keine Franzosen fahren?

Nicht so sehr, obwohl uns das vielleicht geholfen hätte, einen Platz im Feld der Tour de France zu bekommen.

Nun hat die Tour-Leitung Ihr Team wieder nicht zugelassen. Was war ausschlaggebend?

Das hängt eben auch mit der Franzosen-Quote zusammen. 30 Fahrer müssen laut Vertrag aus dem Tour-Gastgeberland kommen. Da diese Zahl nicht zusammen kam, musste das Feld der 21 Mannschaften entsprechend aufgefüllt werden.

Hat Ihnen das Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc so erklärt?

Ja. Er hat mir am Telefon versichert, dass es ihm leid tue für Coast. Er finde diese Entscheidung auch ungerecht. Es ginge aber nicht anders.

Können Sie sich dafür etwas kaufen?

Langes Diskutieren hilft nicht weiter. Wir hatten von vornherein unsere Planung zweigleisig angelegt, mit und ohne Tour-Start.

Befürchten Sie keine finanziellen Einbußen?

Nein, das wirkt sich nicht negativ aus.

Wie denken Ihre Stars Alex Zülle, Fernando Escartin und Luis Angel Casero darüber?

Sie haben einen dicken Hals, zumal ihre Verträge zum Saisonende auslaufen. Ich denke aber auch an Thorsten Wilhelms.

Warum gerade an ihn?

Er hätte als Top-Sprinter eine Riesenchance gehabt, sich einen guten n zu machen.

Sie sprechen da aus eigener Erfahrung…

Ja, denn bei der Spanien-Rundfahrt habe ich zwölf Etappen gewonnen, aber das hat kaum jemanden interessiert. Aber auf meinen einen Etappensieg bei der Tour werde ich immer noch angesprochen.

Was hatte Coast denn 2002 an Erfolgen vorzuweisen, das sie mit der Tour rechnen durften?

In der Weltrangliste liegen wir auf Rang zehn. Die vor uns liegenden Teams brauchten keine Wildcard. Das ist ein Punkt, der zweite waren zweite Plätze in der Teamwertung bei Paris-Roubaix und Paris-Nizza.

Aber ein spektakulärer Sieg fehlt.

Es zählte zuerst der Weltcupstand vom 15. November 2001. Wären wir unter den zehn Top-Teams gewesen, wie derzeit, hätten wir die Tour-Berechtigung bekommen müssen.

Sie kämpfen also darum, den Top-Ten-Platz bis zum 15. November 2002 zu halten.

Ja. Beim Giro d’Italia, der Deutschland- und der Spanien-Rundfahrt haben wir noch viele Bewährungschancen.

Wenn es klappt, dann brauchen Sie 2002 auch keinen Franzosen im Team …

Im Moment würde mir keiner einfallen, der uns für Rundfahrten weiterhelfen würde. Wir wollen mit Leistungen zur Tour kommen, nicht als Quotenteam.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

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