Sport : Die Stars sind die Glühbirnen

Ein 66-minütiger Stromausfall überschattet das 1:0 zwischen Werder Bremen und Schalke 04

Frank hellmann[Bremen]

Der erste Hauptdarsteller der neuen Bundesligasaison war ein Bagger. Seinen großen Auftritt hatte er allerdings schon vor dem Anpfiff im Bremer Weserstadion, der um 20.30 Uhr erfolgen sollte. Fünf Minuten zuvor wühlte sich der Bagger in der Lüneburger Straße durch das Erdreich, stieß auf ein Hauptstromkabel – und durchtrennte es. Das war der Moment, in dem im Stadion die Lichter aus gingen.

Die neue Bundesliga-Saison hatte mit 66 Minuten Verspätung begonnen. Erst dann konnte Schiedsrichter Stefan Trautmann das erste Spiel der Saison anpfeifen. Darin siegte Werder Bremen durch ein Tor des eingewechselten Nelson Valdez mit 1:0 (0:0) gegen Schalke 04. Eigentlich hätte die Rückkehr des Schalker Stürmers Ailton, der Werder in der vergangenen Saison zur Meisterschaft geschossen hatte, im Mittelpunkt dieser Partie stehen sollen. Von den Bremer Fans wurde er mit Jubel begrüßt. Es kam anders.

„Der lange Stromausfall war natürlich keine optimale Vorbereitung für unsere Spieler“, sagte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs. Es war skurril. Als der Anpfiff ertönen sollte, erloschen die Stadionlichter, verstummten die Lautsprecher, blieben die TV-Bildschirme schwarz. Nur die vier Flutlichtmasten leuchteten noch, da sie mit Notstromaggregaten verbunden sind. Hektische Diskussionen entbrannten zwischen dem Generalsekretär der Deutschen Fußball-Liga, Wilfried Straub, den Vertretern der beiden live übertragenden Fernsehanstalten ARD und Premiere sowie Vertretern der Polizei und des Stadions. „Es war eine schwierige Situation“, sagte Straub. Man einigte sich darauf, dass das Spiel um 21.15 Uhr angepfiffen werden soll. Bei Premiere richtete sich der Kommentator Marcel Reif darauf ein, das Spiel wie ein Radioreporter zu übertragen. Ohne Fernsehbilder. Als beide Teams zum Anstoß bereit standen, sagte der Stadionsprecher vorsichtig: „Jetzt kann die Fußballsaison losgehen...“ Da fielen alle vier Flutlichtmasten aus.

Die Fans nahmen es mit Humor. Sie stimmten Lieder an: „Oh wie ist das schön“ und „Fußball geht auch ohne Strom“. Die Bremer Spieler griffen zu Bananen, um sich zu stärken, die Schalker übten mit ihren Fans sogar La Ola. „Wir haben sogar an Abbruch und eine Verlegung des Spiels gedacht“, sagte Straub, „wenn noch einmal der Strom ausgefallen wäre.“ Doch nach und nach leuchteten die Glühbirnen wieder auf. Beinahe jede einzelne begrüßten die Fans mit Jubel. Um 21.36 Uhr konnte es dann wirklich losgehen.

Was dann auf dem Spielfeld folgte, war nicht annähernd so aufregend. Die beste Chance für Schalke in der ersten Halbzeit entsprang einer verunglückten Aktion der Bremer Abwehrspieler. Fahrenhorst schoss nach einer Schalker Flanke seinen Bremer Teamkollegen Ismael an. Von diesem prallte der Ball knapp am Pfosten vorbei ins Aus. Ailton schoss in der 23. Minute erstmals auf das Tor seines ehemaligen Kollegen Reinke.

Die spielentscheidende Eingebung hatte Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf, als er in der 73. Minute Nelson Valdez für den schwachen Miroslav Klose einwechselte. Der Stürmer aus Paraguay kam in der 84. Minute im Strafraum an den Ball und schoss das erste Tor der neuen Saison. Es war die Entscheidung. Nun musste nur noch das Flutlicht bis zum Ende durchhalten.

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