Sport : Die Steigerung des Superlativs

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Benedikt Voigt über das unglaubliche Comeback Hermann Maiers

Man sollte Hermann Maier zitieren, um seine Leistung angemessen einzuordnen. „Wenn ich jetzt vor dem Start auf meinen Schuh schaue und da die Knochenwucherung wie ein Geschwulst vorstehen sehe, mache ich ganz schnell die Schnalle zu“, erzählte der österreichische Skistar dem „Spiegel“, „sonst fange ich noch das Denken an.“ Gestern dachte Hermann Maier erstmal gar nichts. Er weinte.

Motorradunfall, Unterschenkelbruch, Symptome einer Querschnittslähmung, Nierenversagen – und nun Platz eins beim Super G in Kitzbühel. Das sind die Stationen einer unglaublichen Rückkehr. Zwei Wochen nach seinem ersten Rennen mit einem 40 Zentimeter langen Titannagel im Unterschenkel regiert Hermann Maier wieder die Skiwelt. Die „Kronenzeitung“ nennt es das Comeback des Jahrhunderts. Dieses ist zwar erst zwei Jahre alt, doch es wird in den nächsten 98 Jahren nicht einfach, seine Leistung zu übertreffen. Die TennisLegende Martina Navratilova hätte eine Chance, wenn sie in einem Grand-Slam-Finale Serena Williams schlagen würde. Auch der 39-jährige Michael Jordan könnte es schaffen, wenn er in einem NBA-Finale mit dem Durchschnittsteam Washington Wizards die Los Angeles Lakers besiegen würde. Und Maradona müsste 30 Kilogramm abnehmen und Argentinien bei der WM 2006 zum Titel schießen, um Ähnliches zu erreichen.

Es war schon immer schwer, den richtigen Superlativ für Hermann Maier zu finden. „Herminator“ haben die Zeitungen den Dauersieger im Alpinen Skisport einst getauft. Was aber schreibt man nun? Die „Kronenzeitung“ löst das Problem am elegantesten. Auf Österreichisch: „Maier paniert sie alle.“

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