Sport : Die Steuertricks der deutschen Fußballklubs

Das nordrhein-westfälische Finanzministerium in Düsseldorf hat am Donnerstag bestätigt, dass es einen von Fahndern erstellten Erfahrungsbericht zur Steuerhinterziehung in der Fußball-Bundesliga gibt. Der Bericht "Steuerhinterziehung beim Transfer von Bundesligafußballspielern" deckt verschiedene Tricks der Vereine auf. Es wird angeregt, Vereine der Ersten und Zweiten Liga durch die Betriebsprüfung oder die Lohnsteueraußenprüfung überprüfen zu lassen. Ermittlungen könnten in Einzelfällen zu Nachforderungen in Millionenhöhe führen, heißt es im Ergebnis.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de "Der Text ist in den vertraulichen, nur für den Dienstgebrauch zugänglichen Zentralen Fahndungsnachrichten in anonymisierter Form veröffentlicht worden", bestätigte Norbert Gress, Pressereferent im Finanzministerium. In dem Papier werden Erfahrungen geschildert, die "anlässlich von Prüfungen bei Fußball-Bundesligavereinen, seinen Präsidiumsmitgliedern, zahlreichen Bundesligalizenzspielern und verschiedenen Spielervermittlern gesammelt" wurden. Laut Gress dienen solche Erfahrungsberichte von Steuerfahndern dazu, "das Problembewusstsein bei den Prüfungsdiensten der Finanzverwaltung zu schärfen".

Ins Visier der Fahnder ist vor allem die offenbar weit verbreitete Zahlung von Handgeldern geraten - am Fiskus vorbei. Die Abrechnung erfolge etwa über fingierte Rechnungen als "Pauschale oder Unkostenersatz für Spiele(r)beobachtung im In- oder Ausland" oder Vereinbarung für Werbekonzepte. "Derartige fingierte Rechnungen erstellen meistens Firmen oder Personen aus dem In- und Ausland, die mit einem Spieler persönlich in Kontakt stehen. Oftmals handelt es sich um nicht existente Firmen oder um Firmen mit Verlustvorträgen, bei denen die Zurechnung von Einnahmen zu keinen steuerlichen Konsequenzen führt", heißt es in dem Bericht. "Diese Handhabung wurde bei Beträgen bis zu einer Größenordnung von etwa 100 000 Mark festgestellt. Bei größeren Beträgen werden dagegen überwiegend Rechnungsformulare in- und ausländischer Spielervermittler verwendet."

Viele Lizenzspieler sind nach den von den Fahndern gemachten Erfahrungen "bei einem Weitertransfer an der Ablösesumme beteiligt". Die Beteiligung werde in aller Regel in einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag geregelt. Auch von fingierten Ablösesummen ist die Rede. Es sei bekannt, "dass Spieler, die einen gewissen gesonderten Betrag für sich fordern, diesen als Nettobetrag verstehen".

Die Bundesliga hatte den Vorwurf, in den Profivereinen existierten Schwarze Kassen, am Mittwoch entschieden zurückgewiesen.

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