Sport : „Die Stimmung ist aggressiver geworden“

Makkabi beklagt sich über häufige Pöbeleien

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Berlin - Die antisemitischen Anfeindungen gegen den TuS Makkabi am 26. September sind offenbar Höhepunkt einer mehrmonatigen Entwicklung im Berliner Fußball. Die zweite Mannschaft von Makkabi war im Kreisligaspiel bei der VSG Altglienicke II so lange beschimpft und bedroht worden, bis die Spieler vom Platz gingen. „Die Stimmung ist in letzter Zeit aggressiver geworden“, sagt Claudio Offenberg, Trainer der ersten Mannschaft von Makkabi, die in der Verbandsliga spielt. Pöbeleien von Gegenspielern und Zuschauern seien an der Tagesordnung. „Das kann man nicht an einzelnen Vereinen festmachen“, sagt Offenberg, „es ist eher ein undefinierbares Gemisch, was uns da entgegenschlägt.“ Der Vorsitzende seines Klubs, Tuvia Schlesinger, sagt: „Nach einem Spiel sind Spieler als Judensäue beschimpft worden.“

Vertreter der VSG Altglienicke wollen sich unterdessen nicht mehr zum Spiel vom 26. September äußern. Der Verein gab an, auf Weisung des Berliner Fußball-Verbands (BFV) nichts mehr zu den Vorfällen sagen zu dürfen. Der BFV dementierte dies. „Dem Verein ist kein Maulkorb erteilt worden“, sagt BFV-Präsident Bernd Schultz, „dazu haben wir auch gar nicht die Befugnis.“ Die VSG Altglienicke hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war.

In einem Forum der Online-Ausgabe des Tagesspiegels hat ein Altglienicker Spieler allerdings die Vorfälle kommentiert. In dem Eintrag ist von fünf „pöbelnden Idioten“ und „dummen Hassparolen“ die Rede. Weiter heißt es: „Kurz nach Spielende gingen einige Spieler meiner Mannschaft in die Kabine TuS Makkabis und entschuldigten sich für die verbalen Attacken.“ Vereinsmitglieder hätten die Polizei alarmiert, erschienen sei diese erst eine Stunde später. Gegen die Pöbler habe der Verein außerdem Anzeige erstattet und Stadionverbot verhängt.

In TuS Makkabis Mannschaften spielen Fußballer unterschiedlichster Konfession. „In unserer ersten Mannschaft gibt es Christen, Juden, Buddhisten und Muslime“, sagt Claudio Offenberg. TuS Makkabi wurde 1898 unter dem Namen Bar Kochba gegründet. 1938 lösten die Nazis den Verein auf. 1970 gründeten jüdische Sportler den TuS Makkabi Berlin e.V. neu. Der Verein hat heute rund 500 Mitglieder und ist einer von 30 Makkabi-Vereinen in Deutschland.

Dienstag wird sich das Sportgericht des BFV mit dem Fall befassen. Dann soll geklärt werden, wer schuld am Spielabbruch ist und wem die Punkte zugesprochen werden. Auch die drei Platzverweise gegen Makkabi-Spieler werden Thema sein. Tuvia Schlesinger ist der Meinung, das Spiel hätte gar nicht erst angepfiffen werden dürfen. Grundlage der Verhandlung sind die Berichte des Schiedsrichters und der beiden Klubs.

Die Spielberichte dokumentiert unter:

www.tagesspiegel.de/sport

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