Sport : Die stolzen Söhne der großen Insel

Grönlands Handballer wollen gegen Deutschland Spaß haben

Martín E. Hiller

Viseu. Die Zuschauerränge waren beim Duell der Nordländer fest in grönländischer Hand. Etwa 50 Fans feuerten ihr Team lauthals an. Für den Gegner Island brüllte niemand. Obwohl es nichts half und Grönland auch sein zweites Spiel bei der Handball-WM in Portugal klar verlor (17:30), war Nationaltrainer Sören Hildebrand von den Fans begeistert. „Sie folgen den Söhnen der großen Insel überall hin, es ist wunderbar“, sagt er.

Dabei hatten die Grönländer einen weiten Weg zurückzulegen. Nach Portugal waren die Bewohner des Polarkreises mehrere Tage unterwegs. Der Stolz auf ihre Heimat lässt sie aber auch solche Strapazen auf sich nehmen, denn Handball ist in Grönland etwas Besonderes. Sieben Mal so groß wie Deutschland, hat der Staat nur 56245 Einwohner. Davon spielen etwa 2700 Menschen Handball. Die Nationalspieler sind fast alle im eigenen Land oder in Dänemark am Ball. Eine Ausnahme bildet nur Hans Peter Motzfeld, der für den TV Gelnhausen in der Zweiten Bundesliga spielt.

Aus diesen wenigen Aktiven eine Auswahl zu formen, die es bis in die Endrunde einer Weltmeisterschaft bringt, ist eine beachtenswerte Leistung. Der Gronlands Handbold Verbund existiert erst seit 1974, vor fünf Jahren gab es das erste Länderspiel. Bei den Panamerikanischen Spielen 2002 hat Grönland dann schon die USA, Paraguay und Chile geschlagen und sich so neben Argentinien und Brasilien direkt für Portugal qualifiziert. Den ersten WM-Auftritt 2001 wiederum verdankten die Grönländer der Tatsache, dass Kuba sich vom Turnier zurückgezogen hatte. Auch seinerzeit traf die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes auf Grönland und schaffte ihren höchsten Sieg im Turnier (39:8).

Allerdings mag Bundestrainer Heiner Brand dies nicht als das tatsächliche Niveau der Grönländer ansehen. „Die waren damals müde von den vorherigen Spielen. Heute sind sie sicherlich stärker als unser anderer Gruppengegner Australien“, warnt Brand vor der heutigen Begegnung. Dennoch kalkuliert der deutsche Coach einen deutschen Sieg ebenso fest ein wie sein Kollege Hildebrand. „Wir können gegen die Deutschen nur Spaß haben und lernen, nicht mehr“, sagt der gebürtige Däne Hildebrand.

Wenn es dann losgeht gegen Deutschland, wird auch Ilarn Atriksen wieder mit dabei sein. Die kleine Frau mit den typischen, mongolisch anmutenden Gesichtszügen ist mit ihren drei Kindern aus Nuuk bis nach Viseu gereist, um die Nationalmannschaft zu unterstützen. „Es ist eine nationale Aufgabe, hier zu sein“, sagt sie.

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