Sport : Die Stürmer greifen an

Der DFB will mit Klinsmann den Neuanfang wagen – seine Kollegen Bierhoff und Osieck sollen helfen

Robert Ide

Berlin - Werner Hackmann hat die Trainersuche schon innerlich abgeschlossen. Der Präsident der Deutschen Fußball-Liga beschäftigte sich am Donnerstag mit Gartenarbeiten auf seinem Grundstück in Hamburg. „Wir haben ein gutes Konzept, und wir werden bis Sonntag eine Lösung präsentieren können“, war sich der Funktionär im Gespräch mit dem Tagesspiegel sicher. Hackmann gehört zu den vier Personen, die derzeit für den deutschen Fußball rund um die Welt einen neuen Bundestrainer suchen und sich bislang nur Absagen eingehandelt haben. Nun hat die Findungsgruppe zur Lösung der Krise eine neue Idee ersonnen: Der ehemalige Stürmer Jürgen Klinsmann wird demnach die Nationalmannschaft bis zur WM 2006 als Teamchef anführen und danach die Reformen im deutschen Fußball vorantreiben. An der Seitenlinie assistiert ihm Holger Osieck, ebenfalls ein ehemaliger Stürmer. Auf dem neu zu schaffenden Posten des Teammanagers hilft Klinsmanns einstiger Spielerkollege Oliver Bierhoff.

„Ich bin bereit, der Nationalmannschaft zu helfen“, sagte Klinsmann am Donnerstagabend in Los Angeles. „Die Gespräche dauern aber noch an.“ Zuvor hatte er, wie berichtet, mit den Trainersuchern in New York verhandelt. Noch scheint aber nicht sicher, zu welchen Bedingungen Klinsmann die Funktion des Cheftrainers übernimmt. „Es ist alles in der Schwebe“, sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) und Mitglied der vierköpfigen Trainerkommission. In den abschließenden Gesprächen wird es nun unter anderem darum gehen, ob der designierte Trainer genug Zeit hat. Klinsmann lebt in Kalifornien und betreibt dort eine Sportmarketing-Agentur. In führenden DFB- Kreisen wird erwogen, Klinsmann im Zweifelsfall eine Art Teilzeitbeschäftigung zu geben. Für die Tagesarbeit wäre ohnehin Osieck zuständig, der schon als Trainer für die Nationalmannschaft gearbeitet hat (siehe Artikel rechts).

Dass der 39 Jahre alte Klinsmann bisher keine Erfahrung mit der Leitung einer Mannschaft hat, stört die Trainersucher nicht sonderlich. „Es sind drei Namen im Gespräch, davon ein erfahrener Trainer. Das zeigt, dass wir auf alles vorbereitet sind“, sagte Hackmann. Unterstützung soll das Duo von einem Teammanager erhalten. Dieser könnte die Nationalmannschaft repräsentieren und dem Trainergespann ein ruhiges Arbeiten ermöglichen. In der DFB-Spitze wird bereits seit Wochen die Installation eines Managers erwogen (siehe Artikel unten). Auch Klinsmann hatte vor kurzem vehement einen solchen Posten gefordert.

Bei dem Gespräch in New York hatte sich Klinsmann als Cheftrainer beworben, hieß es von Funktionären. Am Mittwoch hatte sich die Trainerkommission in Frankfurt am Main getroffen; danach waren Mayer-Vorfelder, Generalsekretär Horst R. Schmidt und der Cheforganisator der WM 2006, Franz Beckenbauer, nach Zürich gereist, um mit Osieck zu reden. „Es gab dort positive Gespräche“, berichtete DFB-Sprecher Harald Stenger. Mit Bierhoff sprach Mayer-Vorfelder am Donnerstagabend – allerdings nur telefonisch. Zu dem Plan, ihn in ein Team von Klinsmann einzubeziehen, sagte Bierhoff: „Jeder weiß, dass ich mit Jürgen gut kann und eine Nähe zum DFB habe.“

Mit der überraschenden Lösung wird deutlich, dass die ausländischen Favoriten dem deutschen Fußball abgesagt haben. Sowohl der holländische Trainer Guus Hiddink als auch Dänemarks Nationalcoach Morten Olsen sind vertraglich gebunden. In der DFB-Führung war nach den vorherigen Absagen der Wunschkandidaten Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel der Wille zu einer langfristigen Lösung gewachsen. Das galt vor allem für den designierten neuen Präsidenten Theo Zwanziger. Die neue Zielsetzung bei der Trainersuche wird von manchem Funktionär auch als Niederlage von Franz Beckenbauer gewertet. Der Organisator der WM in Deutschland hatte bei einer Krisensitzung der DFB-Spitze vor zwei Wochen auf ein Abzeichen mit dem Logo der WM 2006 gezeigt und gesagt: „Das ist jetzt das Wichtigste.“

Im deutschen Fußball soll es nun Reformen geben, die über 2006 hinausweisen. Der Kritiker Jürgen Klinsmann soll dafür der neue Sympathieträger sein.

Kann Jürgen Klinsmann den deutschen Fußball retten? Siehe Seite 2

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