Sport : Die Suche nach dem Detail

Verzweifelt kämpft Sven Strüver auf der Tour um den Anschluss – nun droht gar der Abstieg

Thomas Lötz

Pulheim . Es gab mal eine Zeit, als der Profigolfer Sven Strüver in Deutschland als die unumstrittene Nummer zwei galt. Hinter Bernhard Langer. Zwischen 1996 und 1998 gewann der heute 36-Jährige drei Turniere auf der European Tour. Doch inzwischen ist es ruhig geworden um Sven Strüver. In seiner dreizehnten Saison als Profi droht ihm der Abstieg aus der ersten Liga des europäischen Golfs in die Niederungen der Challenge-Tour.

Dem gebürtigen Bremer, der ohnehin nicht gerne redet, ist dieser Tage im Gespräch anzumerken, wie sehr er sich bemüht, die Contenance zu wahren. Auf die Frage nach dem Karriereende räumt er unwillig ein, dass es den Gedanken daran „bestimmt schon einmal gegeben hat“. Dann verengen sich seine Gesichtszüge, und er sagt gereizt: „Aber ich spiele Golf, weil es mir Spaß bringt – wenn ich den nicht mehr hätte, würde ich es nicht machen.“

Also feilt Strüver auf der Driving Range stundenlang an seinem Schwung, probiert unzählige Varianten durch. Anderer Griff, Simulation der Hüftbewegung, Haltung des Oberkörpers. Wieder und wieder. Es ist eine Suche nach verlorenen Details. Oft schüttelt er den Kopf und lässt die Schultern fallen. Spaß stellt man sich doch anders vor.

Am Freitagmittag ist Sven Strüver beim höchstdotierten deutschen Turnier, den German Masters in Pulheim bei Köln, ausgeschieden. Es war das vierte Turnier in Folge, bei dem er am Cut scheiterte und damit keinen Euro verdiente. Doch die Krise versucht Strüver nicht in seinen Kopf zu lassen. „Ich will dieses Jahr noch ein Turnier gewinnen, basta, aus.“ Aber wie? „Es ist ganz einfach“, sagt Strüver, „es ist genauso einfach wie: Der Rasen ist grün.“

Sein letztes Turnier hat Strüver 1998 gewonnen, das European Masters in Crans-sur-Sierre in der Schweiz. Dieser Erfolg sicherte ihm den Zugang zu allen Turnieren der kontinentalen Tour auf fünf Jahre – bis zum Ende dieser Saison. Strüver muss sich für 2004 wie die überwiegende Zahl seiner Kontrahenten über Resultate qualifizieren. Zum Schluss muss er mindestens Platz 115 der europäischen Geldrangliste belegen. Bei über 180000 Euro Preisgeld gilt die Tourkarte als gesichert, Strüver hat bis dato 137052,55 Euro eingespielt. Nun rennt ihm die Zeit davon. Vier Turniere bestreitet er noch.

Dass gute Platzierungen für ihn auch in diesem Jahr möglich sind, hat Sven Strüver mit seinem sechsten Platz bei den Irish Open Ende Juli bewiesen. Damals kam er vor der ersten Runde auf dem Übungsgrün durch Zufall mit dem belgischen Mentaltrainer Jos Vanstiphout ins Gespräch. Der Mann, der unter anderem auch den Weltranglistenzweiten Ernie Els berät, so berichtete Strüver hinterher fasziniert, habe mit ihm länger geredet. Dabei habe er ihm ganz schön die Meinung gesagt.

Doch neuerliche Konsultationen eines Mentaltrainers lehnt Sven Strüver ab. Er will die Sache alleine regeln, selbst wenn er am Ende wie zuletzt vor zwölf Jahren noch einmal den Stress der Qualifiying-School über sich ergehen lassen muss. Bei diesem über drei Tage angesetzten Qualifikations-Turnier muss Strüver gegen größtenteils jüngere Spieler einen der ersten 35 Plätze belegen. Sonst steigt er wirklich ab.

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