Sport : Die Suche nach dem Grip

Mercedes-Fahrer Nico Rosberg ist optimistisch – für die Formel-1-Saison 2012

Karin Sturm[Budapest]
Kopfgeburt? Nico Rosberg glaubt noch an die Stärke seines Autos. Foto: Reuters
Kopfgeburt? Nico Rosberg glaubt noch an die Stärke seines Autos. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Nico Rosberg hat in Ungarn zumindest einen Grund zum Feiern: Er fährt am Sonntag auf dem Hungaroring den 100. Grand Prix seiner Karriere. „Was schon irgendwie verrückt ist, wenn man bedenkt, dass mein Vater in seiner gesamten Karriere 114 Rennen bestritten hat“, sagte der 26-Jährige, den diese Statistik ansonsten kaum interessiert. Sein Vater Keke brachte es immerhin auf fünf GrandPrix-Siege und einen WM-Titel, der Sohn wartet immer noch auf den ersten Sieg in der Formel 1. Was aber wohl nicht an ihm liegt. „Mit dem richtigen Auto könnte er in der Kategorie Vettel, Hamilton, Alonso mitfahren“, sagt Gerhard Berger, „er hat absolutes Weltmeister-Potenzial, was fehlt, ist das richtige Auto.“

Und genau das dürfte Rosbergs Feierlaune doch ein wenig trüben. Obwohl er sich nach außen optimistisch gibt, dass es auch in diesem Jahr mit seinem Mercedes-Rennstall noch kleine Erfolgserlebnisse geben könnte. „Wir müssen an unserem Renn-Set-Up arbeiten, in Deutschland war mein Auto im Qualifying besser als im Rennen.“ Wenn das geschehe, könne man einen weiteren kleinen Schritt machen, glaubt Rosberg. Viel mehr allerdings auch nicht.

Mercedes-Teamchef Ross Brawn musste am Nürburgring zugeben, dass das Potenzial des diesjährigen Autos weitgehend ausgeschöpft sei. Es gehe jetzt nur noch um das Feintuning und darum, „dass wir schon schauen, was wir für nächstes Jahr machen können“. Große Einzelprobleme gebe es am aktuellen Silberpfeil laut Brawn nicht, aber doch eine entscheidende Schwachstelle: „Der Motor ist zwar stark, aber uns fehlt der Grip, den müssen wir für die kommende Saison finden.“ Das wäre besser so.

Wenn sich nicht spätestens zu Beginn der kommenden Saison der Erfolg einstellt, dürfte es in Stuttgart bald richtig Ärger geben. Schon am Nürburgring war Vorstandschef Dieter Zetsche anzumerken, dass ihn die Ränge sieben und acht für Nico Rosberg und Michael Schumacher alles andere als begeisterten. Wortlos stieg er nach dem Rennen ins Auto und ließ sich davonkutschieren. Brawn und Mercedes-Sportchef Norbert Haug wissen: Mittelfeldränge können auf Dauer dem Anspruch einer Premiummarke nicht genügen. Und auch wenn es keine akuten Ausstiegsdrohungen gibt: Die Entscheidungen anderer Konzernspitzen, ob BMW, Honda oder Toyota, sind mit Sicherheit auch für die Verantwortlichen des Mercedes-Rennstalls ein warnendes Beispiel.

Nun müssen erst einmal neue Leute her. Seit Anfang Juli ist auf der Job-Seite von Mercedes GP einiges los. 39 verschiedene Stellenangebote wurden veröffentlicht, um die Technik-Abteilung des Rennstalls zu verstärken. Bis zu 100 Techniker, so wollen andere Quellen wissen, sollen angeheuert werden, um das Team in Zukunft weiter in Richtung Formel-1-Spitze zu bringen. Damit dürfte Mercedes GP auf eine ähnliche Größe wachsen wie die Hauptkonkurrenten Red Bull, Ferrari und McLaren, die zwischen 525 und 550 Mitarbeiter beschäftigen. Mercedes GP hat aktuell rund 450 Mitarbeiter. Wobei Ross Brawn gerne betont, die Tatsache, dass man vor allem auch aus Kostengründen etwas kleiner sei, dürfe nicht als Ausrede gelten.

Die Entwicklungsarbeit am 2012er-Modell muss bereits in vollem Gange sein. Nico Rosberg hat seine Zuversicht noch nicht verloren: „Alles, was ich im Moment in der Fabrik sehe, stimmt mich sehr optimistisch für die Zukunft.“ Norbert Haug muss hoffen, dass er recht behält.

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