Sport : Die Suche nach dem Hebel

Hertha BSC rätselt über die eigene Agonie

Mathias Klappenbach

Berlin - Vor dem Training musste bei Hertha BSC gestern erst einmal wieder geredet werden. „Wir haben über ein paar grundsätzliche Sachen nachzudenken“, sagte Trainer Falko Götz. Am Samstagnachmittag hatte seine Mannschaft in Leipzig das letzte Testspiel vor dem Start der Bundesliga-Rückrunde mit 2:5 gegen den 1. FC Nürnberg verloren. Und dabei so lustlos agiert, als ob es für die Spieler eine Strafe wäre, sich einen Platz im Team der Berliner zu erkämpfen oder ihn zu behalten.

Die Erklärungsversuche für die Agonie blieben genauso unbestimmt wie die seltsame Stimmung, die in der Mannschaft zu herrschen scheint. Der Trainer vermisste „den Willen, eigene Fehler im Spiel mit dem nötigen Aufwand wieder gutzumachen.“ Die Spieler wie Dick van Burik fanden sich selbst „einfach grottenschlecht.“ Und Kapitän Arne Friedrich fügte hinzu: „Wir haben uns nicht als Mannschaft präsentiert.“

Dabei hatte doch in der Winterpause alles besser werden sollen. Im letzten Spiel des Jahres 2005 war Hertha im Achtelfinale des DFB-Pokals beim FC St. Pauli ausgeschieden, der Regionalligist hatte die Berliner trotz deren 2:0-Führung dank des größeren Einsatzes noch besiegt. Im Wintertrainingslager in Marbella wurde dann am Teamgeist gearbeitet. Doch den von Manager Dieter Hoeneß geforderten Aufsatz über ihr grundsätzliches Verhältnis zum Verein zu verfassen, war elf Spielern zu albern. Und in dem neuen „Maßnahmenkatalog“, der das Verhalten der Profis regeln soll, steht wohl keine Geldstrafe für schwer nachzuweisende Vergehen wie mangelnde Identifikation oder punktuell auftretende Lustlosigkeit. Wenn man den Gedanken solcher Aktionen weiterdenkt, hätten die Profis nach der desolaten Leistung gegen Nürnberg eigentlich zu einem Diktat mit dem Thema Engagement antreten müssen. „Wir haben in der Winterpause Prozesse in Bewegung gesetzt. Aber da hat man nicht von heute auf morgen den großen Hebel“, sagt Falko Götz.

Die Niederlage gegen Nürnberg war für ihn „ein deutlicher Fingerzeig. Ich hoffe, dass die Mannschaft das verstanden hat.“ In Leipzig war jedenfalls nichts zu beobachten gewesen, was für ein neues Einheitsdenken in der Mannschaft spricht, selbst deutlich sichtbare Zeichen wie gegenseitiges Anfeuern fehlten. Dafür gab es lautstarke Vorwürfe nach den Gegentoren. „Da ist aber keiner beleidigt, das gehört dazu. Die Mannschaft ist intakt“, sagt Torhüter Christian Fiedler. Die anderen Spieler halten sich mit Äußerungen zurück, kaum einer möchte etwas über die Stimmung im Team sagen.

Vielleicht ist es für alle Spieler als kleine Ankündigung für noch weiter gehende Maßnahmen zu verstehen, dass U-21-Nationalspieler Nando Rafael gegen Nürnberg überraschend nicht einmal im 20 Spieler umfassenden Kader stand. Falko Götz war „unzufrieden mit dem, was er zuletzt gezeigt hat“ und nahm nur drei Stürmer mit nach Leipzig, obwohl er mit Marko Pantelic und Solomon Okoronkwo von Beginn an zwei Angreifer aufstellte. Rafael hatte Verständnis für die Maßnahme des Trainers. „Ich habe nicht gut trainiert. Aber ich will mich bis zum Heimspiel gegen Hannover am Samstag wieder reinkämpfen.“

Vielleicht ist es für ihn bei diesem Vorhaben sogar von Vorteil, dass er am vergangenen Samstag nicht mitspielen durfte.

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