Sport : Die Talente tauchen ab

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Frank Bachner über die Klage

der Berliner Schwimmer gegen den Senat

Berlin ist pleite, Berlin kann nicht Rücksicht auf alle wichtigen Termine nehmen. Ende Juli findet in Berlin die Schwimm-Europameisterschaft statt, ein sportliches Highlight. Das Fernsehen wird stundenlang übertragen, und bestimmt werden sich lokale Politiker vor die Kameras drängen. Da passt es schlecht ins Bild, dass nun elf Bäder geschlossen werden sollen. Dort werden schließlich Talente fürs deutsche Spitzenschwimmen gesucht, gefunden und geformt.

Mit einer Sammelklage wollen nun zwölf Berliner Schwimmvereine die Schließungen verhindern. Ein dankenswertes Unternehmen? Ein juristischer Aufstand gegen schreiendes Unrecht und verfehlte Sparpolitik? Nicht unbedingt. Es kommt auf die Perspektive an. Berlin hat lange über seine Verhältnisse gelebt; dass auch bei Bädern gespart werden muss, ist traurig, aber erst mal keine Katastrophe. In anderen Städten, die ebenfalls Vereinssport im Schwimmen betreiben, ist das Angebot erheblich kleiner. Dort gibt es keinen juristischen Aufschrei.

In Berlin gab es schon hausgemachte Probleme, als noch alle Bäder unantastbar waren. Im Sportforum Hohenschönhausen, früher Ort des Bundesleistungszentrums, war an Vormittagen das Becken oft stundenlang leer, weil die Schulpläne eine Nutzung verhinderten. Das wäre organisatorisch wohl durchaus anders zu regeln gewesen. Zudem weigerten sich Vereine, ihre Talente ans Sportforum mit seinen relativ guten Bedingungen abzugeben. Da ging es nicht bloß um lange Fahrzeiten, da ging es schlicht um lokale Eifersüchteleien. Dort schwimmen wir nicht, hieß es. Punkt, fertig.

Sportlich gesehen sind die Schließungen dennoch ein harter Schlag. Trainer benötigen enorm viele Schüler, um daraus wenige echte Talente zu filtern. Wird diese Basisarbeit eingeschränkt, wirkt sich das mittelfristig auf den Spitzensport aus. Und in ein paar Jahren wird das Geschrei groß sein, wenn Deutschland bei Olympischen Spielen hinterherschwimmt.

Auf die EM 2002 haben die Schließungen sportlich noch keine Auswirkung. Vielleicht war es deshalb für den Senat nur logisch, auf dieses Ereignis keine Rücksicht zu nehmen.

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