Sport : Die Teilzeithüter

Jonas und Parent müssen sich im Eisbären-Tor abwechseln

Claus Vetter

Berlin . Die Eisbären hatten gerade ihr erstes Saisontraining im Sportforum hinter sich. Oliver Jonas stapfte erschöpft vom Eis, als sein neuer Kollege erstmals in die Kameras der Berliner Fotografen lächelte. Rich Parent war für Unsinn zu haben: Torwartmaske hoch auf die Stirn gezogen, obwohl gerade ein Puck auf ihn zuflog. Lebensmüde? Nein. Lustig sollte das sein, schließlich ist Parent laut Eisbären-Stadionpostille „der neue Spaßvogel im Team“. Trotzdem, der aus Kassel gekommene kanadische Eishockeytorhüter hatte schon am ersten Arbeitstag klare Vorstellungen vom neuen Arbeitsplatz. „Natürlich will ich hier die Nummer eins werden“, sagte Parent. „Ich will alle Spiele machen.“ Aber gibt es da nicht einen Konkurrenten im Eisbären-Tor? Ach ja, der Oliver. Der sei ein „Nice Kid“, sagte der 30-Jährige.

Sechs Wochen später. Parents Wunsch hat sich nicht erfüllt. Von wegen „alle Spiele machen“: Der „nette Junge“ Oliver Jonas und Parent kamen bislang bei den Eisbären im Wechsel zum Einsatz, jeder stand zweimal in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im Tor. Und so soll es vorerst weitergehen. Heute in Nürnberg ist Parent dran, am Sonntag gegen Hamburg Jonas. Vielleicht ist das auch nicht schlecht, motiviert die Konkurrenzsituation gar. „Oliver und Rich sind momentan auf einem Level“, sagt Trainer Pierre Pagé. „Das ist ein Luxus für uns, vielleicht ein Problem für die beiden. Natürlich wollen sie beide mehr spielen. Es ist schon schwierig, beide bei Laune zu halten.“

Immerhin, das mit der guten Laune glaubt Pagé im Griff zu haben. Nach jedem Spiel zeichnet der Trainer seit dieser Saison die beiden engagiertesten Spieler seines Teams aus. „Die letzten beiden Spiele waren Rich und Oliver unter den Ausgezeichneten“, sagt der Trainer. Das hört sich nach Harmonie an, oder nicht? „Ich will nicht, dass hier jetzt irgendetwas hochgespielt wird“, sagt Jonas. Der diplomierte Harvard-Absolvent ist – anders als Parent – für Getöse nicht zu haben, dabei hat Jonas eine erfolgreiche Saison hinter sich. Bei der WM in Finnland war der deutsche Nationaltorhüter laut Statistik gar der beste Torwart des Turniers. Allerdings wurde der 24-Jährige nur dreimal eingesetzt. Und bei den Eisbären? „Ich will auf jeden Fall nicht zurückfallen“, sagt er. „Mein Weg sollte weiter nach vorne gehen.“

Das erscheint für Jonas möglich. Auch wenn die Zeiten, als beim Torwartgespann der Eisbären offensichtlich Harmonie herrschte, wohl vorbei sind. Mit dem nach Mannheim gewechselten Richard Shulmistra verstand sich Jonas bestens, auch wenn Shulmistra in den Play-offs den Vorzug bekam. Apropros Play-offs, spätestens dann wird die Arbeit im Tor nicht mehr geteilt? „Normalerweise ist das so “, sagt Pagé. „Aber was war bisher bei uns in dieser Saison schon normal?“ Stimmt. Es war nicht zu erwarten, dass die Berliner nach vier Spielen ungeschlagen die Tabelle der DEL anführen.

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