Sport : Die Tennis-Patienten

Kiefer gibt in Paris auf, Haas trotzt der Allergie

Andrej Antic[Paris]

Wie sich die Bilder gleichen. Vor Jahresfrist saß Nicolas Kiefer in Paris vor den Journalisten und erklärte, warum er das Tennis-Match vorzeitig aufgeben musste. Gestern saß er wieder dort und erzählte ähnliches. „Ich konnte keine Rückhand mehr spielen, das Handgelenk ist zu stark angeschwollen“, sagte Kiefer. Wieder hatte er vorzeitig aufgeben müssen, diesmal bereits in der dritten Runde.

Beim Stand von 1:6 gegen den Tschechen Thomas Berdych beendet Kiefer das Match. Er war vor zwei Tagen beim Fünfsatzsieg über den Franzosen Marc Gicquel gegen den Netzpfosten geprallt und hatte sich dabei eine schmerzhafte Handgelenksverletzung zugezogen. „Über Nacht ist alles dick geworden“, sagte Kiefer. Er wird nun in Hannover eine Kernspintomographie vornehmen lassen. In den Grand- Slam-Turnieren wird Kiefer schon länger von Pech verfolgt. 2004 musste er bei den US Open in der vierten Runde gegen Tim Henman verletzt aufgeben. „Das ist schon sehr enttäuschend“, sagte er gestern, „ich bin zurzeit in guter Form.“ Beim World-Team-Cup vor einer Woche belegte er mit dem deutschen Team überraschend Platz zwei.

Eine positivere Geschichte gibt es von Thomas Haas zu erzählen. Am Mittwoch vor Turnierbeginn war er zu den French Open gereist, aber eigentlich war er sich gar nicht sicher, ob er spielen sollte. Dazu muss man wissen, dass er vor ein paar Wochen in Hamburg sein Erstrundenmatch wegen einer Pollenallergie aufgegeben hatte. Haas ließ seine Blutwerte untersuchen, und der Arzt teilte ihm mit, dass er nicht fit sei. Eine halbe Stunde vor seinem ersten Auftritt gegen Rainer Schüttler saß Haas in der Players Lounge unterhalb des Court Philippe Chatrier und fragte seinen Coach Thomas Hogstedt: „Soll ich wirklich auf den Platz gehen?“ Versuch es, habe ihm Hogstedt geantwortet. Und hinterher sagte Thomas Haas: „Wenn er mir nicht zugeredet hätte, wäre ich schon wieder zu Hause.“ Nun steht er nach Siegen über Rainer Schüttler und Alexander Waske in der dritten Runde. Wie er seine Auftritte in Paris bewerte? „Als kleine positive Zeichen“, sagte Haas.

Heute trifft er als letzter Deutscher im Herrenfeld auf Novak Djokovic. Der Serbe ist zwar nur die Nummer 63 der Welt, aber in der zweiten Runde bezwang er überraschend den an Position neun gesetzten Fernando Gonzalez in fünf Sätzen. Vor drei Wochen in Rom lieferte er Roger Federer einen spannenden Kampf. Mit 19 Jahren ist Djokovic der jüngste Spieler im Turnier. Sollte Haas ihn schlagen, würden aus den kleinen positiven Zeichen ziemlich große werden.

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