Sport : Die Traditionalisten

In 18 Tagen durch die Liga (7). Heute: Borussia Mönchengladbach

Stefan Hermanns

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Als Hans Meyer noch Trainer war, gab es nur einen, der das Sagen hatte – Hans Meyer. Das Machtvakuum, das er hinterlassen hat, muss noch gefüllt werden. Am ehesten ist dies Sportdirektor Christian Hochstätter zuzutrauen. Sein bisheriges Meisterstück war die Verpflichtung von Mikael Forssell, der das Team mit sieben Toren nach der Winterpause vor dem Abstieg gerettet hat.

Was ist das Besondere? Borussia Mönchengladbach war einmal berühmt für sein offensives Spiel. Man könnte meinen, dass die Borussen sich wieder dieser Tradition entsinnen: Neun Stürmer stehen bei ihnen unter Vertrag. Bernd Korzynietz, der mal klassischer Rechtsaußen war, ist inzwischen zum Rechtsverteidiger umfunktioniert worden – seitdem spielt er wieder regelmäßig.

Was hat sich verbessert? Die Frage müsste eigentlich lauten: Was muss sich verbessern? Die Antwort: die Auswärtsbilanz. In fremden Stadien holten die Gladbacher in der vorigen Saison nur sieben Punkte, so wenige wie keine andere Mannschaft.

Wie sicher ist der Trainer? Obwohl Ewald Lienen noch vor zwei Jahren beim Erzrivalen 1. FC Köln fast kultisch verehrt worden ist, hat er am Bökelberg einen guten Namen. In der Erinnerung der Fans ist er immer noch der langhaarige Linksaußen aus der großen Zeit des Klubs. Unter Lienens Verantwortung blieb die Mannschaft am Ende der Saison sieben Spiele ohne Niederlage und schaffte damit den Verbleib in der Bundesliga. Allerdings gibt es die latente Sorge, dass der besessene Trainer in schlechteren Zeiten wieder den Bezug zur Realität verliert, so wie es in Duisburg war, in Rostock und in Köln. Dem Gesetz der Serie nach wird das aber erst in der übernächsten Saison passieren.

Wie passen die Neuen? Lienen erwartet sich von den Neuzugängen mehr Konstanz. Das ist eine realistische Vorstellung. Obwohl die Gladbacher im vergangenen Geschäftsjahr vier Millionen Euro Gewinn gemacht haben, scheuen sie sich, einen echten Star zu verpflichten, um die Qualität der Mannschaft auf ein höheres Niveau zu bringen. Drei der sechs Neuen – Pascal Ojigwe, Bradley Carnell und Joonas Kolkka – kamen ablösefrei. Ojigwe hat unter Lienen in Köln seine beste Zeit gehabt. Die größten Hoffnungen verbinden sich mit Vaclav Sverkos, einem 19 Jahre alten Stürmer aus Tschechien. „Er ist in seinen Alter schon weiter, als es Tomas Rosicky war“, sagt Borussias tschechischer Mittelfeldspieler Ivo Ulich.

Wie wird gespielt? Die meisten Spieler favorisieren das 4-3-3-System, wobei die beiden Innenverteidiger in der Viererkette ihre Gegenspieler nicht übergeben. „Das haben wir verinnerlicht“, sagt Bernd Korzynietz. Unwahrscheinlicher ist, dass Lienen das Mittelfeld verstärkt und nur zwei Stürmer aufstellt.

Wer sind die Stars? Liebling der Fans ist Torhüter Jörg Stiel, Igor Demo wird als „Fußballgott“ verehrt. Aber Stars? Die Anhänger hoffen, dass sich die jungen Spieler so entwickeln, dass sie mal Stars werden: Sverkos, Peer Kluge, Lawrence Aidoo und Morten Skoubo gelten als geeigneteste Kandidaten.

Was gibt das Stadion her? Bei Sonnenschein ist der Bökelberg das schönste Stadion Deutschlands. Bei Regen aber werden 26 000 Zuschauer pitschnass, und eine Rasenheizung gibt es auch nicht. Nach dieser Saison ziehen die Borussen in ihr neues Stadion um, der Bökelberg wird abgerissen.

Wie sind die Fans? Sie werden immer besser. Aus dem Abstiegskampf der vorigen Saison haben sie eine einzige Karnevalsveranstaltung gemacht. 18 300 Dauerkarten wurden diesmal verkauft – so viele wie nie zuvor.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben