Sport : Die Tragik des Dopers

Friedhard Teuffel

Es musste irgendwann so weit kommen, wie es am Freitag beim Leichtathletikmeeting in Leipzig kommen wird. Ein prominenter Doper kehrt als Trainer zurück in den Sport, vielleicht ist es sogar der prominenteste: Ben Johnson. Die Hysterie ist groß, was hat so einer wie Johnson noch im Sport verloren?

In der Tat hat Johnson bislang jegliche Reue vermissen lassen. Er sei nicht der Einzige gewesen, der im olympischen Sprintfinale von 1988 mit Medikamenten nachgeholfen habe, sagt der Kanadier immer wieder und strickt weiter an allerlei Verschwörungstheorien gegen die Amerikaner, das Fernsehen und die Sportverbände. Damit mag er sogar Recht haben, nur macht er seine Schuld so kaum geringer. Also ein Hallenverbot in Leipzig?

Das wäre ungerecht und verlogen. Ungerecht, weil der Wiederholungstäter Johnson mit einem lebenslangen Berufsverbot als Sportler bestraft wurde. Jetzt ist er Trainer, und noch ist kein Athlet von ihm auffällig geworden. Aus seinem persönlichen Versagen als Sportler folgt nicht zwangsläufig das Versagen als Trainer. Verlogen wäre es, weil hinter der Forderung nach einem Ausschluss von Johnson vor allem die Furcht der Verbände um Marktwert und Image steckt. Johnson verkörpert schließlich das schlechte Gewissen des Sports.

Ben Johnson ist ein tragischer Fall. Er kommt aus einfachen Verhältnissen, dass er etwas anderes kann als schnell rennen, ist bislang nicht bekannt geworden. Er hat einmal erzählt, dass er seit dem 20. Lebensjahr ständig gedopt war. Seine sportliche Karriere ist eine große Lebenslüge. Erzählt diese Geschichte nicht genauso viel über den Sport wie die eines ruhmreichen Rekordhalters?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben