Sport : Die Tragödie verhindert

Andy Murray erreicht das Halbfinale in Wimbledon.

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London - Andy Murray pustete so tief durch, wie er es schon sehr lange nicht mehr getan hatte. Und mit ihm atmeten die 15 000 Zuschauer auf den Rängen des Centre Courts und die anderthalb tausend Fans draußen vor der Videowand auf dem Hügel von „Henman Hill“ auf – eigentlich atmete ganz Großbritannien auf. Denn es hatte nicht viel gefehlt, dann wäre jener Spieler, auf den sich all ihre jahrzehntelang unerfüllten Hoffnungen stützten, im Viertelfinale von Wimbledon ausgeschieden. Das wäre einer nationalen Tragödie gleichgekommen, mehr noch in einem Jahr, in dem die Favoriten gleich reihenweise auf der Strecke geblieben waren und die Chance auf die ersehnte Trophäe nie größer war. Doch Murray wendete das Schlimmste noch ab und bezwang Fernando Verdasco nach einem dreieinhalbstündigen Krimi mit 4:6, 3:6, 6:1, 6:4 und 7:5.

Die Zuschauer feierten Murray nach dem Matchball so laut, wie zuletzt nach seinem Gewinn der olympischen Goldmedaille vor einem Jahr. Bis ins Viertelfinale war Murray bei diesem Turnier ohne Satzverlust eingezogen, und auch Verdasco sollte doch eigentlich keine echte Hürde für ihn sein. Der Spanier war zwar vor vier Jahren mal die Nummer sieben der Welt und konnte Murray damals in seiner stärksten Phase bei den Australian Open schlagen. Doch an diesem Abend spielte der Linkshänder und derzeit 54. der Weltrangliste so stark, wie seit Jahren nicht mehr.

„Andy, was machst du denn da?“, brüllte sich Murray an, als er plötzlich mit 0:2 in den Sätzen hinten lag. Erst mit dem frühen Break im dritten Durchgang wurde er sicherer, doch schon im vierten Satz schnellte der Puls der Fans bei seinen Aufschlagspielen wieder hoch. Doch jeden Breakball Verdascos wehrte Murray mit knallharten Servicewinnern ab und nutzte dann selbst einen Wackler des Spaniers. Der fünfte Satz wurde zum Nervenspiel: Beim Stand von 5:5 gewann Murray eine furiose Rallye von 20 Schlägen, und Verdasco ließ sich von der berauschenden Atmosphäre der Fans aus dem Konzept bringen. Murray gelang das Break und der Sieg. „Ich habe alles gegeben und bin einfach nur glücklich“, sagte der Schotte.

Im Halbfinale trifft der Vorjahresfinalist am Freitag nun auf Jerzy Janowicz. Der 22-Jährige entschied das polnische Duell mit Lukasz Kubot für sich und erreichte als erster Spieler seines Landes das Semifinale eines Grand-Slam-Turniers. Das zweite Halbfinale bestreiten der Weltranglistenerste Novak Djokovic aus Serbien und der Argentinier Juan Martin del Potro.Petra Philippsen

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