Sport : Die treue Seele

Pal Dardai trainiert nicht mehr mit Herthas Profis, bleibt dem Klub aber weiter erhalten

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Kühler Abschied. Pal Dardai wird bei Herthas Profis nicht mehr gebraucht. Foto: Winter
Kühler Abschied. Pal Dardai wird bei Herthas Profis nicht mehr gebraucht. Foto: WinterFoto: Ottmar Winter

Berlin - Es ist nicht so, dass Pal Dardai völlig unvorbereitet in den neuen Abschnitt seines Berufslebens geht. Mit 34 Jahren weiß man, dass die schöne Zeit als Fußballprofi irgendwann zu Ende gehen muss. Da ist Dardai keine Ausnahme. Es ist schon ein paar Jahre her, dass der Ungar, mit 286 Bundesligaeinsätzen Rekordspieler von Hertha BSC, über die fußballerischen Anfänge seines ältesten Sohnes sprach. Der heißt Pal, genauso wie sein Vater. Dardai hat das Talent seines Sohnes früh erkannt. Pal junior, inzwischen elf Jahre alt, ist Linksfuß, und die gelten im Fußball als besonders gefragt. Für den Fall der Fälle „wird der Papa sein Manager“, hat Dardai damals gesagt.

Der Ungar wird sich in Zukunft tatsächlich um den Nachwuchs kümmern, allerdings nicht nur um den eigenen, sondern auch um den seines Arbeitgebers Hertha BSC. Das ist die freundliche Umschreibung seines künftigen Tätigkeitsprofils. Die weniger freundliche ist dieser Tage in den Berliner Boulevardzeitungen nachzulesen. „Babbel sortiert Dardai aus“, dröhnt es da. Wenn die Profis von Hertha BSC heute für eine Woche ins Trainingslager nach Portimao an der Algarve fliegen, wird Dardai nicht dabei sein. Trainer Markus Babbel hat ihm diese Entscheidung am Donnerstag mitgeteilt. Vollkommen unerwartet kam sie nicht mehr. Dardai, der nach dem Abstieg im vergangenen Jahr mithelfen wollte, den Unfall wieder auszubügeln, hat in dieser Saison noch keine Sekunde auf dem Platz gestanden.

Nach fast exakt 14 Jahren ist am Donnerstag auf dem Schenkendorff-Platz auf dem Olympiagelände eine kleine Ära zu Ende gegangen. Pal Dardai hat zum letzten Mal mit Herthas Profis trainiert. Im Januar 1997 – die Berliner spielten noch in der Zweiten Liga – war er von BVSC Budapesti nach Berlin gewechselt. Entdeckt hatte ihn Bernd Storck, der Assistent des damaligen Cheftrainers Jürgen Röber. Nach einem Junioren-Länderspiel fragte er den damals 20-Jährigen, ob er zum Probetraining nach Berlin kommen wolle. „Pal war schon damals eine Persönlichkeit auf dem Platz. Er hatte ein unglaubliches Kämpferherz“, erinnert sich Storck. „Beim Probetraining ist er von Anfang an sehr unbekümmert aufgetreten, er hatte keine Angst, selbst vor großen Namen nicht. Jürgen Röber hat damals zu mir gesagt: ,Der hat Zukunft.‘“

Röber sollte recht behalten. Der defensive Mittelfeldspieler war nie der große Star, aber er hat sich bei allen Trainern, die nach Röber kamen, durchgesetzt, fast immer gespielt und alle Höhen (und zuletzt auch die Tiefen) seit dem Aufstieg 1997 mitgemacht. Er hat in der Champions League gegen Chelsea, Porto und den AC Mailand gespielt, hat großen Künstlern wie Sebastian Deisler, Dariusz Wosz und Marcelinho im Mittelfeld den Rücken freigehalten. Dass andere den Glanz abbekamen, während er für sie schuften musste, hat den Pflichtmenschen Dardai nie bekümmert. „Er ist ein Kämpfer vor dem Herrn, ein Mann mit Charakter, einer, dem kein Weg zu weit ist, ein echter Teamplayer“, hat Dieter Hoeneß im November 2008 bei Herthas Mitgliederversammlung über den Ungarn gesagt.

Im Sommer haben die Berliner seinen Vertrag noch einmal für ein Jahr verlängert, doch die ihm zugedachte Rolle konnte Dardai, unter anderem aus gesundheitlichen Gründen, nicht ausfüllen. Seit längerem plagt er sich mit Problemen am Sprunggelenk, auch deshalb hat ihn das Unvermeidliche nicht unvermittelt getroffen. Schon am Ende der vorigen Saison, als seine vertragliche Zukunft noch nicht abschließend geklärt war, hat Dardai gesagt: „Wenn einer von oben sagt: ,Pal, wir brauchen dich nicht mehr‘, dann habe ich damit überhaupt kein Problem.“

Dieser Fall ist nun eingetreten: Statt an der portugiesischen Atlantikküste bei 16 Grad und Sonnenschein für das Unternehmen Wiederaufstieg in die Bundesliga zu schuften, darf Dardai noch zwei Tage länger Urlaub machen, ehe er am 4. Januar bei Herthas U 23 mit der Vorbereitung auf die Rückrunde in der viertklassigen Regionalliga beginnt. Dem Nachwuchsteam des Berliner Zweitligisten soll er mit seiner Erfahrung helfend zur Seite stehen und nebenher seine Trainerausbildung vorantreiben. In der übernächsten Woche wird er in Ungarn die Prüfung zum B-Schein ablegen.

Dass Dardai dem Verein auch nach seiner Zeit als Spieler weiter erhalten bleibt, steht schon länger fest. Er soll künftig in die Nachwuchsakademie eingebunden werden. Einen großen Auftritt als Fußballer aber hat Markus Babbel dem treuen Pal noch zugesichert. Am letzten Spieltag der Saison soll Dardai noch einmal das Trikots der Profis tragen. Sein Abschied soll dann mit den Feierlichkeiten zum Aufstieg in die Bundesliga zusammenfallen. Das zumindest ist der Plan.

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