Sport : Die Tricks des Präsidenten

WBC-Chef Sulaiman verschwieg ein Konto

Frank Bachner

Berlin - Der Präsident redete Klartext. „Mit dem heutigen Tag meldet das WBC Konkurs an und wird völlig von der Bildfläche verschwinden“, verkündete José Sulaiman markig in einem Radio-Interview, dessen Inhalt gestern in Deutschland verbreitet wurde. Der einflussreichste Box-Verband der Welt also nur noch Geschichte. Angeblich in die Pleite getrieben von den 31 Millionen Dollar, die Ex-WBC-Weltmeister Graciano Rocchigiani vor Gericht erstritten hatte. Die Sache hat nur einen Haken: Das Interview ist alt, bis gestern wusste offenbar nur ein kleiner Kreis, ob der Konkursantrag beim Konkursgericht in Puerto Rico eingegangen ist. Hagen Doering, Geschäftsführer des Sauerland-Boxstalls, war gestern trotz bester WBC-Kontakte seines Büros, immer noch ratlos. „Offenbar wissen nicht mal der WBC-Vizepräsident und der WBC-Schatzmeister Bescheid.“ Auch Björn Ziegler, einer von Rocchigianis Anwälten, „weiß nichts“. Andererseits: „Weshalb sollen wir nachforschen?“ Üblicherweise müssten er und seine Kollegen informiert werden.

Vor allem aber hatte Sulaiman bei seinem Interview einen kleinen Hinweis vergessen: Er hatte als WBC-Präsident getrickst. Der Mexikaner hat Ziegler und dessen US-Kollegen ein Konto verschwiegen, „über das relevante Summen geflossen sind“ (Ziegler). „Damit hat er gegen Auflagen eines New Yorker Gerichts verstoßen.“ Dieses Gericht hatte dem WBC im Rocchigiani-Prozess verboten, Summen von mehr als 5000 Dollar ohne die Zustimmung der Rocchigiani-Anwälte auszugeben. „Damit hat José Sulaiman gegen die Auflagen eines New Yorker Gerichts verstoßen“, sagt Ziegler. Das kann farale Folgen haben für den WBC-Chef. Denn nun kann Sulaimann wahrscheinlich persönlich haftbar gemacht werden. Rocchigianis Anwälte wollen auf jeden Fall einen entsprechenden Antrag einreichen.

Seinen 31 Millionen Dollar wird der Ex-Profi durch diesen Schritt allerdings nicht viel näher kommen. „Das Konkursgericht wird jetzt noch mal alle Ausgaben und Einnahmen der WBC prüfen“, sagt Ziegler. Allerdings würde sich dadurch höchstens die Konkursmasse vergrößern, sollte das WBC tatsächlich Pleite gehen. Viel mehr Geld hat Rocchigiani aber nicht zu erwarten. Ihm nützte es auch nichts, dass seine Anwälte alle WBC-Einnahmen hätten pfänden dürfen. Das hatte das New Yorker Gericht festgelegt. Doch gepfändet wurde kein Cent, obwohl das WBC noch lukrative Kämpfe veranstaltete. „Direkt nach dem Gerichtsspruch hatte das WBC Insolvenz beantragt, dadurch konnte man nichts pfänden“, sagt Ziegler. Noch hält er es für möglich, dass sich Rocchigiani und das WBC einigen. „Die Anwälte haben noch Kontakt zueinander.“

Sollte das WBC tatsächlich Pleite gehen, ist immer noch unklar, ob die aktuellen WBC-Weltmeister ihre Gürtel verlieren. Andere Titelträger im WBC-Umfeld können dagegen unbesorgt sein: jene Europameister nämlich, die unter der Regie der Europäischen Box-Union ihre Titel gewannen. Leute wie der Schwergewichtler Luan Krasniqi vom Hamburger Universum-Boxstall. Ihr Status wäre nicht in Gefahr. Die EBU ist zwar ein Partner des WBC. „Aber sie ist andererseits bei Titelkämpfen eigenständig“, sagt Box-Experte Doering. „Die EBU arbeitet in den USA nämlich offiziell immer nur mit einem Verband zusammen, das ist derzeit das WBC.“ Sollte sich aber dieser Verband auflösen, „dann wechselt die EBU ganz einfach zu einem anderen Verband, zur WBA etwa oder zur IBF“.

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