• Die trockenen Schüsse der Kelly Smith : Wie Englands Star die Alkoholsucht überwand

Die trockenen Schüsse der Kelly Smith : Wie Englands Star die Alkoholsucht überwand

Kelly Smith, die erfolgreichste Torschützin in der Geschichte der Frauennationalmannschaft von England, hat ihre Alkoholabhängigkeit überwunden und möchte bei der EM in Schweden ihren ersten Titel mit der Nationalmannschaft gewinnen.

Gregor Derichs
Sternstunde. Die Engländerinnen um Kelly Smith besiegten bei der WM 2011 als einzige den späteren Weltmeister Japan (rechts Mizuho Sakaguchi).
Sternstunde. Die Engländerinnen um Kelly Smith besiegten bei der WM 2011 als einzige den späteren Weltmeister Japan (rechts Mizuho...Foto: dpa

Kelly Smith hat noch einmal Großes vor bei der Europameisterschaft. Die 34-Jährige stand schon mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf einer Bühne bei der Ehrung der besten Spieler und Spielerinnen durch den Weltfußballverband Fifa. Mit der deutschen Rekordstürmerin Birgit Prinz galt die Angreiferin des Arsenal Ladies FC als beste Fußballspielerin der Welt. Doch lange behielt sie ein dunkles Geheimnis für sich. Niemand ahnte, dass der Star des englischen Frauen-Teams unter einer schweren Alkoholabhängigkeit gelitten hat.

„Ich hätte mich viel eher guten Freunden oder der Familie anvertrauen müssen, anstatt die Flasche Wodka an den Hals zu setzen“, berichtete Kelly Smith von der schweren Zeit, in der sie ihre Karriere massiv gefährdete. Inzwischen neigt sich Kellys Laufbahn dem Ende zu, aber vorher will die Rekordtorschützin mit den Engländerinnen noch am Thron der Deutschen rütteln. Nach dem zweiten Platz vor vier Jahren soll bei der EM in Schweden, wo England am Freitag (20.30 Uhr, live bei Eurosport) in seinem ersten Gruppenspiel auf Spanien trifft, endlich der Titel her. „Vor vier Jahren waren wir mit der Finalteilnahme zufrieden. Diesmal ist, wenn alles gut läuft, mehr möglich“, sagt Kelly Smith.

Beim 2:6 im Endspiel der EM 2009 gegen Deutschland war sie wie so oft die beste Engländerin. Zuletzt lief es für die in Watford geborene Torjägerin aber weniger gut. Wegen einer Schienbeinverletzung hat sie seit März nicht spielen können, ihre Nominierung für die EM war lange fraglich. Eventuell setzt die charismatische Trainerin Hope Powell sie zunächst nur als Einwechselspielerin ein.

Kelly Smith hat auf die harte Tour gelernt, Verletzungen zu akzeptieren. Schon mit 17 Jahren gab sie ihr Debüt in der Nationalelf, wegen ihres außergewöhnlichen Talents erhielt sie ein Stipendium an einem College und spielte in New Jersey in der Profiliga der Frauen. Die erste englische Spielerin in der US-Liga wurde zu einem Star. Im USA-Team, das schon damals auf höchsten Niveau spielte, hätte sie einen Stammplatz sicher, betonte seinerzeit die US-Nationaltrainerin April Heinrichs.

Zwei schwere Knieverletzungen warfen sie jedoch aus der Bahn – und Smith begann zu trinken. „Ich war damals schüchtern und zurückhaltend. Mit meinen Problemen habe ich mich zurückgezogen. Das hat mich fertig gemacht“, sagt sie. Der amerikanische Traum wurde zum Alptraum. „Ich dachte, ich würde nie mehr spielen. Ich war völlig am Boden.“ Die Spirale aus Isolation, depressiven Gedanken und exzessivem Trinken riss sie wie viele andere Alkoholabhängige in den Abgrund. „Ich habe mich mit Alkohol betäubt, weil ich mich so besser fühlte. Es war furchtbar. Heute kann ich dazu stehen, weil es ein Teil meiner Geschichte ist“, sagt Smith. Ihre Karriere in der US-Profiliga fand ein jähes Ende, die Situation spitzte sich zu. Bis Kellys Vater seine Tochter nach England zurückbrachte und sie in eine Entzugsklinik steckte.

Kelly Smith befreite sich aus dem Sumpf, sie wurde „trocken“, meisterte auch die Reha und wurde nach der Rückkehr zu ihrem Stammklub Arsenal noch besser. 2007 gewann sie alle englischen Titel und den Uefa-Pokal. „Die WM 2007 in China, nachdem ich vorher nicht wusste, ob ich jemals wieder würde Fußball spielen können, war das Größte für mich.“ Sie glänzte mit tollen Toren, England war das einzige Team, das nicht gegen Deutschland verlor. Bei der EM 2009, als sie in die US-Liga zu den Boston Breakers zurückgekehrt war, trumpfte sie wieder auf. Kelly Smith ist also mit sich im Reinen. Sagt sie auch selbst. Zur Krönung fehlt jetzt nur noch ein Titel mit der Nationalmannschaft.

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