Sport : Die Trottel der Liga

Die Krise der Kirch-Gruppe und die drohende Reduzierung des TV-Geldes spaltet die Fußball-Bundesliga. Während einige Vereine zu Nachverhandlungen bereit sind, besteht nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) knapp die Hälfte der 18 Erstligisten auf Einhaltung des 1,53 Milliarden Euro (3 Milliarden Mark) schweren Vier-Jahres-Vertrages mit der Kirch-Gruppe. Die Branche ist angesichts eines Schuldenberges von 6,5 Milliarden Euro beim Vertragspartner Kirch zerrissen und nervös. Das zeigen vor allem die heftigen Attacken von Stuttgarts Manager Rolf Rüssmann gegen die Kollegen der Topklubs Bayern München, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund sowie gegen Liga-Chef Werner Hackmann.

"Die Dortmunder und Leverkusener sprechen mit ihrem Ministerpräsidenten, andere angeblich mit Premiere-Chef Kofler, und der Rest der Liga sitzt wie die Trottel da und weiß nicht, was passiert", schimpfte Rüssmann. Der VfB-Manager kritisierte auch den Vorsitzenden der Deutschen Fußball-Liga (DFL): "Ich hätte auch gerne gewusst, ob der Herr Hackmann Vertreter oder Eigentümer des VfB ist."

Zwar bestätigte DFL-Geschäftsführer Michael Pfad am Dienstag noch einmal, dass der Dachverband bisher weder Verhandlungen führe noch Anfragen der Kirch-Gruppe habe. Doch die Ankündigungen von Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler, der Kirchs Pay-TV-Sender neu strukturieren und dann mit den Vertragspartnern sprechen will, sind unmissverständlich: "Mit den derzeitigen Kostenstrukturen können wir nicht weitermachen." Um das komplette Aus zu verhindern, muss der hoch defizitäre Bezahl-Sender sparen - und damit auch die vom TV-Geld abhängigen Profivereine. Die Liga ist wie gelähmt und muss derzeit abwarten, wann und mit welchen Vorschlägen die Kirch-Gruppe auf sie zukommt.

"Wenn es einen Vorschlag gibt, das Pay-TV mit Hilfe der Bundesliga zu unterstützen oder weiter zu entwickeln, würden wir das sicher unterstützen", sagte Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC. Damit vertritt er jedoch eine Minderheitsmeinung. Leverkusens Manager Rainer Calmund erklärte: "Natürlich sind wir zu Gesprächen bereit, schließlich sind wir Vertragspartner." Allerdings schränkte er ein: "Von Preisnachlässen kann keine Rede sein."

Michael Meier, der Manager von Borussia Dortmund, sieht eine "moralische Verpflichtung" der Fußball-Profis, im Falle einer Reduzierung des TV-Geldes auf einen Teil ihrer Gehälter zu verzichten. "Sollten sich die Einnahmen verringern, können nicht die Vereine allein das Risiko tragen", sagte Meier in einem Interview mit dem Magazin der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV). "Jeder Spieler wusste bei seiner Vertragsunterzeichnung, dass sich seine Gehaltserhöhung aus den Fernsehgeldern generiert." Der BVB-Manager sieht allerdings keine rechtlichen Mittel, eine Gehaltsreduzierung durchzusetzen. Die Spieler müssten sich jedoch "darüber im Klaren sein, dass nicht mehr der Verein, sondern möglicherweise der Insolvenzverwalter auf der anderen Seite sitzen kann".

Die Mehrheit der Klubs pocht auf Einhaltung des Vertrages mit Kirch. Auch Werner Hackmann, DFL-Chef und Vorsitzender des Hamburger SV, sagte: "Die bestehenden Verträge stehen außerhalb jeder Diskussion." Die Frage, ob sein Klub wegen der Kirch-Krise auf Geld verzichten würde, hält er daher für "Unfug".

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