Sport : Die Türkei ist schockiert

Fußballverband kündigt Berufung gegen Strafe der Fifa nach Skandalspiel an

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Istanbul - Bis zuletzt hatte die Spitze des türkischen Fußball-Verbands Sand in die Augen der Landsleute gestreut. Das Urteil zu den gewalttätigen Ausschreitungen rund um das WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz in Istanbul am 16. November erwartete sie gelassen: So schlimm wird es schon nicht kommen. Umso größer war das Entsetzen, als die Fifa am Dienstag die Türkei dazu verurteilte, alle Qualifikations-Heimspiele zur EM 2008 mindestens 500 Kilometer jenseits der eigenen Landesgrenzen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen zu müssen. Außerdem wurden die Spieler Alpay und Emre ebenso wie der Schweizer Benjamin Huggel für sechs Pflicht-Länderspiele gesperrt, Serkan Balci für zwei. Der türkische Kotrainer Mehmet Özdilek wurde für zwölf Monate gesperrt. Der türkische Trainer Fatih Terim, von der „Neuen Zürcher Zeitung“ als „wahrer Brunnenvergifter“ bezeichnet, wurde dagegen nicht bestraft.

„Ich bin schockiert“, sagte Verbandspräsident Haluk Ulusoy. „Das Urteil ist sehr hart. Mir stehen die Haare zu Berge.“ Das Massenblatt „Hürriyet“ kommentierte: „Dann hättet Ihr uns gleich aufhängen können.“ Mit diesem Urteil habe die Fifa der Türkei zu verstehen gegeben: „Euch wollen wir nicht.“ Sportminister Mehmet Ali Sahin bezeichnete die Strafe als „inakzeptabel“ und kündigte eine Berufung an. „Wenn dann kein für uns annehmbares Urteil herauskommt, werden wir das internationale Sportgericht anrufen“, sagte Verbandspräsident Ulusoy.

Selbstkritik kam von anderer Seite. Der türkische Vizepräsident Senes Erzik sagte, die Verantwortung eines Fußballverbandes beschränke sich nicht nur auf das Stadion, sie beginne bereits am Flughafen. Dort waren die Schweizer Spieler mit Stein- und Eierwürfen und üblen Beschimpfungen begrüßt worden. Erzik: „Wir sind knapp an einem Ausschluss vorbeigekommen.“ Ein „Hürriyet“-Kommentator befand: „Wir haben geerntet, was wir gesät haben.“ Das Sportblatt „Fotomac“ kam zu dem Schluss: „Wir müssen lernen, Spiele fair und dank unseres Könnens auf dem Spielfeld zu gewinnen.“ Die „Berner Zeitung“ auf Schweizer Seite sieht es ähnlich: „Die Strafe sollte den Türken nach ähnlichen, folgenlosen Vorfällen eine letzte Warnung sein.“ dpa

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