DIE TÜRKEN machen eine interessante Beobachtung : Panik in Deutschland

Atatürk

ist immer dabei. Wie schon bei den bisherigen EM-Spielen der Türkei wird auch im Halbfinale gegen Deutschland an diesem Mittwoch ein Porträt des Staatsgründers an der türkischen Ersatzbank stehen – als vaterländischer Schutzheiliger sozusagen. Einen starken Helfer werden die Türken angesichts ihrer vielen Ausfälle durch Verletzungen und Sperren gut gebrauchen können. Doch trotz der Personalnot überwiegt vor dem Spiel gegen die Deutschen am Bosporus die Zuversicht. Die Überraschungserfolge gegen Tschechien und Kroatien haben der Türkei so viel Auftrieb gegeben, dass das Halbfinale gegen Deutschland bei einigen Beobachtern und Spielern schon fast als abgehakt gilt.

Im Finale werde die Türkei gegen Spanien spielen, sagte Kapitän Nihat Kahveci. „So wie wir uns die Finalteilnahme verdient haben, haben sich die Spanier das verdient.“ Kahveci selbst wird zwar wegen einer Verletzung weder im Halbfinale noch beim möglichen Finale dabei sein können. Seinem Optimismus tut das jedoch keinen Abbruch. Die „Panzer“, wie die deutschen Nationalspieler in der Türkei genannt werden, haben keine Chance, glaubt Kahveci: „Meine Mannschaftskameraden werden die Panzer in die Knie zwingen.“ In Deutschland verbreite sich wegen der unbändigen Kampfkraft der Türken schon „Panik“, behauptete die Zeitung „Yeni Safak“. Und die vielen verletzten Türken störten mehrere Zeitungen nicht, sie schrieben übereinstimmend: „Unser Herz ist genug“. Von der zu Beginn des Turniers weit verbreiteten Kritik an der Nationalmannschaft ist nichts mehr zu spüren. Von Depression zu grenzenloser Zuversicht – wieder einmal fallen die türkische Fans von einem Extrem ins andere.

Das Halbfinal-Spiel ist für viele Türken etwas ganz Besonderes, denn Deutschland ist aus Sicht der Türkei immer noch so etwas wie der große Bruder – man mag ihn, aber möchte ihn auch mal besiegen. Schon bei der WM 2002 hatten sich viele Türken nichts sehnlicher gewünscht als so ein Duell. Damals kam es nicht dazu. Jetzt ist es anders. Susanne Güsten, Istanbul

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