Sport : Die tun was

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Karsten Doneck beobachtet, wie Unions Fans eine Rückholaktion planen

Eintrittskarte kaufen, Fußball gucken, die eigene Elf anfeuern, heimgehen. Nein, das Leben der Union-Fans verläuft nicht in derart engen Bahnen. Die tun was, auch über die 90 Minuten hinaus. Kaum ist also Stürmer Ferdinand Chifon während des Trainingslagers des 1. FC Union abgehauen und dann beim polnischen Erstligisten Pogon Stettin wieder aufgetaucht, rührt sich der Anhang in fast rührender Weise und plant eine große Rückholaktion. Das Thema wird im Internet heftig diskutiert. Einer, der sich „Der Diak“ nennt, fühlt sich zwar „wie im Schalkefilm, nur diesmal in echt“, aber andere rufen schon zu gezieltem Handeln auf. Ein gewisser „Boone“ kündigt gar zahlreichen Besuch bei Chifon an: „Am Wochenende fahren wir alle nach Stettin und holen ihn zurück.“

Eine Reise, die sich mit der Bahn kostensparend realisieren ließe. Boone weiß: „Das geht sogar mit dem Wochenendticket.“ Günstiger Preis, ungünstiges Klima. Ein gewisser Marco warnt: „Selbst unsere Kampfsportfreunde aus Hohenschönhausen würden in Stettin nicht mal bis zur Bahnsteigtreppe kommen.“ Man muss wissen: Die Pogon-Fans gelten als überaus aggressiv.

Andere Union-Treue wollen Chifon lieber im Auto heimholen. Die Frage, die diese Leute im Internet umtreibt: Welches ist die günstigste Route nach Stettin? Die über Pomellen? Oder doch die über Linken? Einer nennt sich im Internet „Baggerführer“. Und der steht auf Kompromisse. „Vielleicht spielen wir ja mal im Europapokal gegeneinander, und der Ferdi darf dann bei jeder Mannschaft eine Halbzeit spielen.“ Mancher Unioner verknüpft seine Sorgen um das Verschwinden Chifons mit Privatem. Mitglied Nr. 582 beklagt sich da bitter - und man sieht förmlich seine Tränen auf die Computertastatur tropfen – , „dass mein weiblicher Liebestraum wahrscheinlich auch weg ist“. Vielleicht helfen die allzeit rührigen Union-Fans ja auch in diesem Fall - als Seelsorger.

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