Sport : Die Turnfamilie

Hinter Fabian Hambüchens Erfolg stehen Vater, Mutter und sogar sein Onkel

Friedhard Teuffel

Berlin - Das Finale fängt gleich an, und bis dahin muss Beate Hambüchen noch schnell etwas vorbereiten. Sie näht das Logo des Sponsors auf den Turnanzug ihres Sohns. „Auf so etwas bin ich immer vorbereitet“, sagt sie und zeigt ihr Nähgarn in verschiedenen Farben. Die Anforderungen an Fabian Hambüchen sind schließlich gestiegen, seitdem er immer erfolgreicher turnt. Für die neuen Aufgaben fühlt sich auch seine Mutter verantwortlich. Durch den Wettkampf am Abend begleitet dann Vater Wolfgang Hambüchen den 17 Jahre alten Turner. Er ist auch sein Trainer.

Hinter Fabian Hambüchens Erfolg steht ein Familienunternehmen. Seine Mutter kümmert sich um die Organisation, der Vater um den sportlichen Teil, und der Bruder seines Vaters ist Psychologe und für die mentale Stabilität des Turners zuständig. In Berlin beim Deutschen Turnfest tritt Fabian Hambüchen mit seinen Eltern ebenfalls als eingespieltes Team auf. Im Velodrom gewinnt er vor 4500 Zuschauern zum ersten Mal den deutschen Meistertitel im Mehrkampf, einen Tag später vor noch einmal 1000 Zuschauern mehr das Einzelfinale am Barren, Reck und Boden.

Fabian Hambüchen hat dem deutschen Turnen wieder ein Gesicht gegeben mit seiner Kür am Reck bei den Olympischen Spielen in Athen. Siebter wurde er. So mutig turnte er und trat anschließend so forsch auf, dass er als idealer Repräsentant seiner Sportart gefeiert wird. Seine Eltern schützen ihn nun ein wenig, weil der Rummel um ihn derart groß geworden ist. Für die Vermarktung und die Öffentlichkeitsarbeit haben sie inzwischen einen Vertrag mit der Agentur „Vitesse Kärcher“ geschlossen. Ihr Sohn soll sich schließlich auch auf die Schule konzentrieren, und das ist schwer genug. „Ich bin zurzeit mit meinen Lehrern in Email-Kontakt“, erzählt Fabian Hambüchen. Aber um die nächste Klasse des Gymnasiums, die zwölfte, macht er sich schon Sorgen. Im Herbst will er vier Wochen nach Australien reisen, um sich dort auf die WM in Melbourne vorzubereiten. „Das ist viel Zeit, aber die WM sage ich nicht ab, auch wenn ich in der Schule eine Ehrenrunde drehen müsste“, sagt er.

Seine Eltern teilen seine Leidenschaft fürs Turnen. Wolfgang Hambüchen war früher selbst Turner, im B-Kader des Deutschen Turner-Bundes. Seinen Sohn behandelt er dennoch nicht wie ein Vater, der verpasste Erfolge nachholen muss. „Ich kenne die Höhen und die Tiefen des Sports“, sagt er und dreht seinen Kopf deutend zur Seite. An ihm fährt gerade Ronny Ziesmer in seinem Rollstuhl vorbei. Seit einem Unfall im Training ist er querschnittsgelähmt.

Das Verhältnis zu seinem Sohn ist auch fürsorglicher als das zwischen anderen Trainern und ihren Sportlern in der Halle. Während andere Trainer nur die Sprungbretter austauschen, will Wolfgang Hambüchen das Brett sogar zum Atmen bringen. Er legt die Matte drumherum extra ein bisschen davon weg, damit nach dem Absprung die Luft aus dem Brett weichen kann und es besser federt. „Ich bereite die Geräte so lange vor, bis ich ein gutes Gefühl habe“, sagt er.

Im Gegensatz zu seinem Sohn hat Wolfgang Hambüchen auch gewisse Rituale, um sein Gefühl vor der Übung zu verbessern. „Ich laufe immer nochmal unter dem Reck durch. Ich weiß aus meiner Zeit in Japan, dass das Glück bringen soll“, sagt er. Eineinhalb Jahre hat Wolfgang Hambüchen in Japan gelebt und trainiert. Inzwischen arbeitet er als hessischer Landestrainer.

Beim bisher größten Erfolg seines Sohnes in Athen war er gar nicht dabei. Er blieb zu Hause, um ihm ein bisschen mehr Freiraum zu geben. Ansonsten kann es auch mal krachen zwischen Vater und Sohn. „Er hat noch einige Pubertätsanfälle“, sagt Wolfgang Hambüchen. Den Ausgleich zwischen beiden stellt dann oft die Mutter her, und Fabian Hambüchen sagt: „Die darf alles ausbaden, die Arme.“Meinungsseite

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