Sport : Die übliche Niederlage

Hertha BSC verliert 0:2 in Dortmund und wartet nun seit 33 Jahren auf einen Sieg bei der Borussia

Ingo Schmidt-Tychsen[Dortm]

Zuerst versuchte Christian Fiedler, seinem Verteidiger Josip Simunic etwas mitzuteilen. Über zehn Meter schrie der Torwart von Hertha BSC den Abwehrspieler an, Fiedler fuchtelte dabei wild mit den Armen, um seinen Aussagen mehr Gewicht zu verleihen und trotz des Lärms der 70 500 Zuschauer im Westfalenstadion gehört zu werden, die gerade das 1:0 für Borussia Dortmund bejubelten. Simunic schüttelte nur den Kopf. Dann versuchte Mannschaftskapitän Arne Friedrich, Simunic etwas zu erklären – der Innenverteidiger wandte sich wortlos ab. Als dann aber auch noch Dick van Burik auf Simunic einredete, hatte der 27-Jährige genug: Wild gestikulierend brüllte er zurück.

Das Tor zum 0:1 hatte Herthas 0:2-Niederlage in Dortmund eingeleitet, und nach dem Spiel war deshalb nicht nur Simunic genervt. „Ich bin angefressen, aber das ist doch wohl verständlich“, sagte Herthas Trainer Falko Götz. Gegen die jüngste Mannschaft, die aufgrund von vielen Verletzungen seit der Gründung der Bundesliga 1963 jemals für Borussia Dortmund aufgelaufen ist, verpassten die Berliner die Gelegenheit, den ersten Sieg in Dortmund seit 33 Jahren zu schaffen. Dabei bestanden durchaus Siegchancen – Götz’ Mannschaft begann das Spiel mit viel Schwung, Marko Pantelic hatte zwei gute Möglichkeiten, scheiterte aber an Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller, und auch Oliver Schröders Schuss aus 14 Metern konnte Weidenfeller nur mit Mühe parieren.

Die Dortmunder aber erzielten das erste Tor. In der 39. Minute schlug Florian Kringe einen langen Pass auf Ebi Smolarek, der den Ball völlig unbedrängt annehmen und auf Fiedler zulaufen konnte. Den ersten Schuss hielt Herthas Torhüter noch mit einem glänzenden Reflex, gegen Smolareks Nachschuss jedoch war er machtlos. Simunic hatte zuvor die Abseitsstellung des Polen aufgehoben, van Burik war dem Stürmer anschließend nicht hinterhergelaufen. „Ich nehme das Tor auf meine Kappe, aber auch andere waren beteiligt“, sagte Dick van Burik hinterher.

Falko Götz klagte: „Wir haben es dem Gegner sehr leicht gemacht, Tore zu erzielen“. Auch beim zweiten Treffer für Dortmund kurz vor der Pause hatte Smolarek wenig Mühe zu treffen. Arne Friedrich war als Gegenspieler des Polen nach einem Freistoß von Tomas Rosicky gar nicht erst zur Kopfballabwehr hochgesprungen. „Ich habe den Ball zu spät fliegen sehen, aber insgesamt haben wir alle Mist gebaut und verdient verloren“, sagte der Mannschaftskapitän.

In der zweiten Halbzeit schaffte es Hertha trotz deutlich mehr Ballbesitz kaum noch, sich Tormöglichkeiten zu erspielen. Nur Marko Pantelic hätte in der 63. Minute für seine Mannschaft treffen können, doch sein Schuss mit dem Außenrist flog über die Latte. Der Serbe hätte den Ball mit dem linken Fuß wohl einschieben können, doch damit fühlt er sich anscheinend nicht sicher genug – Pantelic schießt sehr häufig mit dem rechten Außenrist, anstatt mit dem linken Spann abzuziehen. Der Stürmer, der in dieser Saison bereits viermal getroffen hat, muss nun weiter auf sein erstes Auswärtstor warten.

„Wenn du mit den Chancen so schluderig umgehst, dann brauchst du dich nicht über eine Niederlage zu wundern“, sagte Trainer Falko Götz. „Spielerisch waren wir nicht schlecht, aber wir haben zu viele Fehler gemacht.“ Verteidiger Dick van Burik bewertete die Situation etwas drastischer: „Wenn wir solche Spiele wie heute zeigen, dann sieht man, dass uns noch einiges fehlt. Wir sind keine Topmannschaft.“ Sein Mannschaftskollege Josip Simunic wollte lieber gar nichts mehr sagen, und auch Manager Dieter Hoeneß äußerte sich nach dem Spiel überhaupt nicht.

Nach 13 Spieltagen hat Hertha nun schon viermal verloren, einmal mehr als in der gesamten Hinrunde der vorigen Saison. Die Mannschaft steht zwar weiter auf Rang fünf, und der Abstand auf einen Champions-League-Platz beträgt unverändert vier Punkte. Doch der drittplatzierte Hamburger SV bestreitet erst heute sein Heimspiel gegen den MSV Duisburg. Die Berliner verpassten gestern Nachmittag einige gute Chancen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben