Sport : Die üblichen Verdächtigen

Kein Wunder, dass Damentennis so langweilig wirkt: Es gibt so gut wie keine Überraschungen

Stefan Hermanns

Berlin. Wenn man nach den Gründen sucht, warum das Damentennis nicht mehr die Aufmerksamkeit findet, die es einst gehabt hat, wird immer wieder auf den fehlenden Überraschungseffekt verwiesen. Es sind meist die üblichen Verdächtigen, die am Ende einer Turnierwoche noch ihrer Arbeit nachgehen. In Berlin ist das nicht anders. Wie erwartet, haben gestern Jennifer Capriati, Kim Clijsters, Justine Hénin und Amélie Mauresmo bei den German Open in je zwei Sätzen die Runde der letzten vier erreicht. Damit stehen die vier höchst dotierten Spielerinnen des Turniers im Halbfinale.

Jennifer Capriati hatte mehr mit den äußeren Bedingungen zu kämpfen als mit ihrer Gegnerin, der Russin Elena Lichowtsewa. Nach vier Sonnentagen regnete es leicht, als beide Spielerinnen den Centre Court betraten, die Bälle waren dadurch ungewohnt schwer und langsam. Capriati fand es „ein gutes Zeichen, dass ich auch unter diesen Bedingungen gut spielen kann". Ihre Fähigkeiten reichten für einen ungefährdeten 6:3, 6:3-Sieg gegen die Nummer 30 der Welt.

Bereits zum achten Mal spielt die Amerikanerin in Berlin, gewonnen hat sie das Turnier noch nie. Auch in diesem Jahr wird sie sich steigern müssen, wenn sie wie vor zwei Jahren das Endspiel erreichen will. Im Halbfinale trifft sie heute (Beginn: 13 Uhr) auf die an Nummer eins gesetzte Weltranglisten-Dritte Kim Clijsters aus Belgien. Im zweiten Spiel treffen Amélie Mauresmo und Justine Hénin aufeinander, die Turniersiegerinnen der vergangenen beiden Jahre. Mauresmo besiegte Iroda Tuljaganowa mit 7:6 und 6:4. Hénin setzte sich mit 6:4, 7:5 gegen Wera Zwonarewa durch, wobei die Russin am Ende fünf Matchbälle abwehrte.

Nach einer eher dürftigen Leistung in der dritten Runde deklassierte die gar nicht heimliche Turnierfavoritin Clijsters gestern die Slowakin Daniela Hantuchova in nur 54 Minuten mit 6:0 und 6:4. „Ich habe versucht, vom ersten Punkt an aggressiv zu spielen", sagte Clijsters, und es blieb nicht beim Versuch. Trotzdem müsse sie gegen Capriati besser spielen, „das wird ein hartes Match". Beide kennen sich gut, in Berlin haben sie sogar miteinander trainiert, „wir sind gute Freundinnen", sagte Clijsters. Die Belgierin verlor 2001 im Finale der French Open nach einem großen Match mit 10:12 im dritten Satz. Überhaupt hat bisher immer Jennifer Capriati gewonnen, wenn beide gegeneinander spielten. Trotzdem gilt Clijsters heute als Favoritin. „Sie hat in diesem Jahr einen Lauf", sagte Capriati. „Das wird interessant."

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