Sport : Die Unbeirrbaren

Erik Eggers

Die zweite Einladung nahm Lucio an. Eine Viertelstunde zuvor hatte Bayer Leverkusens brasilianischer Nationalspieler, als ihm das freundliche Mittelfeld des 1. FC Köln einen Ball überließ, diesen nach furiosem Solo noch nicht im Tor unterbringen können. In der 25. Minute nun servierte ihm Moses Sichone erneut an der Mittellinie das Spielgerät. Lucio dankte es ihm, indem er drei lästige Kölner umkurvte und auch noch Kölns Torhüter Pröll bezwang.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Nach diesem Treffer hätte man getrost nach Hause trotten können. Schließlich hatte Butt bereits in der 13. Minute sicher einen Elfmeter verwandelt, den Keller an Ballack verschuldet hatte. Nach 25 Minuten führte ein selbstbewusster, souverän auftretender Meisterschaftskandidat gegen einen sicheren Absteiger mit 2:0 - es drohte eine Stunde Langeweile, und diese Drohung geriet dann auch zur Realität.

Denn alle Aktionen der Leverkusener, und wenn sie noch so lethargisch wirkten, drückten schiere Überlegenheit aus. Obwohl maximal im zweiten Gang agierend, hätten sie durch die Chancen des eingewechselten Berbatow gut noch zwei Tore mehr erzielen können. Niemand im Stadion beschlich auch nur annähernd das Gefühl, dass die sturmschwachen Kölner, die in einem Lattenschuss von Scherz ihre einzige Chance besaßen, ernsthafte Argumente gegen die Niederlage besitzen könnten. Nicht einmal die sonst beschworene Rivalität zwischen den beiden Vereinen regte irgendjemand wirklich auf. "Das sinnlose Derby" hatte der "Kölner Stadtanzeiger" zuvor wehleidig und treffend getitelt, so sinnlos, dass keiner der Anwesenden hinterher davon sprach.

Auch nicht Klaus Toppmöller, der die Fans aufgrund der zweiten Halbzeit um Nachsicht bat. "Wir wollten eine frühe Entscheidung erzwingen", sagte der Trainer von Bayer Leverkusen zum mühelosen Sieg, in der zweiten Halbzeit jedoch hätte seine Mannschaft bewusst Kräfte gespart. Nicht einmal die bescheidene Leistung Zé Robertos bereitete ihm Sorge. Nun ja, der Brasilianer sei "ein bisschen müde" gewesen, ihn aus dem Spiel zu nehmen war ihm dennoch nicht in den Sinn gekommen. Im Umgang mit den sensiblen Südamerikanern ist nämlich Vorsicht geboten, weiß Toppmöller: "Wenn man die auswechselt, dann ist das schlimmer, als wenn man denen die Frau ausspannt." Ein eher unsensibler Satz. Aber das war auch das einzig provokante an diesem Tag. Übermorgen wieder es wieder härter in Leverkusen. Dann verteidigt Liverpool in der Champions League ein Tor Vorsprung aus dem Hinspiel.

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