Sport : Die Unberechenbaren

In 18 Tagen durch die Liga (8). Heute: Hannover 96

Claus Vetter

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Der Präsident. An Martin Kind kommt bei Hannover 96 niemand vorbei. Seit fünf Jahren ist er der mächtigste Mann im Klub und zudem jemand, der Widerworte nicht duldet. Nach dem mäßigen Start vergangene Saison trug Kind einen Disput mit Trainer Ralf Rangnick aus. Seine Maxime, sich „aus dem sportlichen Bereich herauszuhalten“, hatte Kind vergessen. Nun haben Präsident und Coach einen Nichtangriffspakt geschlossen. Der könnte allerdings bei Misserfolg schnell hinfällig sein.

Was ist das Besondere? Auf den ersten Blick nichts. Immerhin: Sollte Hannover 96 die Klasse halten, hätte es der Klub erstmals seit dem zehnjährigen Gastspiel in der Bundesliga (1964 bis 1974) geschafft, länger als zwei Spielzeiten erstklassig zu bleiben.

Was hat sich verbessert? Dank Kinds Aufbauarbeit scheint der Klub strukturell besser dazustehen als in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Seit langer Zeit konnten die Hannoveraner 2002 endlich ein Großunternehmen (Tui) als Trikotsponsor gewinnen.

Wie sicher ist der Trainer? Rangnick steht auf der Hitliste der von frühem Vertragsende bedrohten Bundesliga-Fußballlehrer weit oben. Einen Start mit vier Niederlagen wird er sich nicht noch mal erlauben dürfen. Nicht einfach, angesichts des harten Anfangsprogramms. Erreicht 96 das vom Trainer ausgelobte Saisonziel – „wieder Platz elf“ – und nimmt dabei keine Umwege über unterste Tabellenregionen, sollte Rangnick auch am Saisonende noch in Hannover sein.

Wie passen die Neuen? Nach den Abgängen von Fredi Bobic (Hertha BSC) und Gheorghe Popescu (Karriereende) hat sich der Klub mit Thomas Christiansen – in der Vorsaison im Trikot von Bochum Bundesliga-Torschützenkönig – und Heimkehrer Jan Simak nominell gut verstärkt. Aber: Simak hat ein lausiges Jahr hinter sich, der Tscheche konnte seine Bundesliga-Tauglichkeit in Leverkusen nicht bewiesen. Christiansen plagt sich noch mit den Folgen einer Operation am Halswirbel herum. Führungsqualitäten wie Bobic besitzt keiner der Neuen.

Wie wird gespielt? Vermutlich wieder offensiv und mit dem Risiko, auch mal einen Zwei-Tore-Vorsprung zu vertrödeln wie vergangene Saison. Da ließ Rangnick oft mit seinem Lieblingssystem 4-3-3 spielen. Angesichts personeller Verstärkung in Mittelfeld könnte aber bei ihm ein Umdenken erfolgen.

Wer sind die Stars? Da gibt es nach dem Abgang von Bobic und dem Karriereende des zum Inventar von 96 gehörenden Jörg Sievers – zuletzt nur Ersatztorhüter – nur einen Kandidaten: Jan Simak. Der Tscheche benahm sich auch schon mal dementsprechend. Mit dem Termin für das offizielle Mannschaftsfoto nahm es der 24-Jährige nicht so genau – zumal der auch noch unattraktiv angesetzt war: an einem Sonntagmorgen um neun Uhr. Simak konnte sein Fehlen allerdings mit ärztlichen Attest begründen.

Was gibt das Stadion her? Erschreckend wenig. Wegen der Umbauarbeiten für die Fußball-WM 2006 ist die AWD-Arena eine Großbaustelle. 96 kann nur 22 500 Tickets anbieten. Beim Run auf die Saisontickets (über 15 000 sind schon verkauft) dürften nur wenig Einzelkarten angeboten werden.

Wie sind die Fans? Vor allem sind sie recht jung. In den vergangenen zwei Jahren sind mit dem Aufstieg von 96 neue Anhänger dazugekommen. Zuletzt auch weibliche Fans – wegen des „Bobic-Effektes“. Der ist nach Berlin umgezogen und für die Stimmung dürfte die Stadionbaustelle nicht unbedingt förderlich sein.

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