Sport : Die Unerfahrenen

TuS Lichterfelde scheitert im Hockey-Viertelfinale

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Der Verteidiger Michael Nagel ist im Ballbesitz, unbedrängt. Die Verlängerung des Hockey-Viertelfinals um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem TuS Lichterfelde und dem Harvestehuder THC läuft, es steht 6:9. Der Berliner Verteidiger Nagel spielt einen risikoreichen Pass durch den eigenen Schusskreis, ein Hamburger Stürmer fängt den Ball ab und schießt ihn unhaltbar unter die Latte. 10:6 für die Hamburger, das Spiel ist entschieden. Am Ende gewinnt der Harvestehuder THC 10:8 (6:6, 2:1) in der Sporthalle Kiriat Bialik in Lankwitz vor mehreren hundert Zuschauern.

Insgesamt machte der 21-jährige Nagel Nagle aber ein sehr gutes Spiel. Und gerade deshalb steht die Szene aus der Verlängerung exemplarisch für das Spiel. TuS Lichterfelde war seinem Gegner spielerisch mindestens ebenbürtig, scheiterte aber an der eigenen Unerfahrenheit. So sahen es auch die beiden Trainer. Lichterfeldes Thorben Wegener sagte: „Wir hatten es selbst in der Hand. Um das Spiel sicher nach Hause zu bringen, hat es an Erfahrung gefehlt.“ Drei Minuten vor dem Ende führte sein Team 6:5 und kassierte trotzdem noch den Ausgleich. „Der Schlüssel lag definitiv in der Erfahrung“, bestätigte der Harvestehuder Trainer Peter Krüger. Allein dadurch, dass selbst seine jungen Spieler schon Erfahrungen in Spitzenspielen um die Meisterschaft gesammelt hätten, wären sie „einfach clever“ gewesen. An Erfahrung in Spitzenspielen mangelt es dagegen den Berlinern. Es war das erste Mal, dass der Verein das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Im Halbfinale stand, seitdem die Hallen-Bundesliga vor fünf Jahren regionalisiert wurde, noch kein Berliner Verein. Das erstaunt, da Berlin im Hockey die Stadt mit den meisten Vereinen Deutschlands ist. 26 werden offiziell in den Statistiken geführt.

In Hamburg spielt ein Klub weniger, doch die Vereine sind viel erfolgreicher. Erst am Samstag spielte Berlin wieder gegen Hamburg: Die Zehlendorfer Wespen scheiterten, genau wie Lichterfelde im Viertelfinale, unterlagen dem UHC Hamburg 9:10. Die Überlegenheit der Hamburger Klubs erklärt Wegener so: „Dort im Norden stehen reiche Menschen hinter den Vereinen, die auch bereit sind, Spielern Geld zu bezahlen. Das können wir nicht.“ Das Viertelfinale sei für seine Mannschaft aber ein Riesen-Erlebnis gewesen. Ein Erlebnis, bei dem seine Spieler viel Erfahrung sammeln konnten.

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