Sport : Die Unvollendeten: Eine Liebeserklärung an verhinderte Weltmeister

Sebastian Bickerich

Es fehlt etwas. Eigentlich ist das der Antrieb jedes Fußballers, der von Titeln, von Anerkennung, von Ehre träumt. Wie schlimm ist es dann, wenn einem das ganz große Ziel verwehrt bleibt, lebenslang? Für den Italiener Roberto Baggio etwa, der 1994 im Rose Bowl von Pasadena gegen Brasilien den entscheidenden Elfmeter im WM-Finale verschoss? Für George Weah, den Welt- und Europafußballer 1995, der als Liberianer einfach den falschen Pass besaß und nie zu einer WM fahren durfte? Für George Best, den besten Fußballer seiner Zeit? Als Nordire sah er kein WM-Stadion von innen.

Der Fotograf Herbert Perl, der bei Kunstmann schon den schönen Band „Ansichtssache Fußballplatz“ veröffentlichte, hat Autoren und Journalisten gebeten, über ihre unvollendeten Helden zu schreiben – über Spieler, die nie an einer Weltmeisterschaft teilnahmen und Fußballer, die bei einem Weltmeisterschafts-Turnier spielten, aber nie Weltmeister wurden. Ein wunderbares Buch ist daraus geworden, das den Fußball aus einem Winkel beleuchtet, der ungemein sympathisch ist: Aus dem der Gescheiterten. Die Baggios und Cruyffs, Lippens und Schusters: Sie fehlen uns nicht nur, sie dürfen nicht fehlen. Denn nur im Scheitern dieser Unvollendeten erkennen wir die wahre Menschlichkeit des Fußballs.

— Herbert Perl (Hg.): Die verhinderten Weltmeister. Große Unvollendete von Roberto Baggio bis George Weah. Kunstmann Verlag, 238 Seiten, 16,90 Euro.

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