Sport : Die Unvollendeten

Friedhard Teuffel

Durfte Georg Hettich überhaupt Olympiasieger werden? Er hatte doch zuvor noch nicht einmal einen Weltcup in der Nordischen Kombination gewonnen. Und wie ist es mit Michael Greis? Hätte der nicht Ole Einar Björndalen vorlassen müssen, anstatt sich selbst die Goldmedaille zu schnappen – als Verneigung vor einem Ausnahme-Athleten des Biathlon?

Das erste Wochenende in Turin hat jedenfalls unser Olympia-Weltbild gehörig durcheinander geschüttelt. Es ist also ein Irrtum, dass Olympische Spiele dazu da sind, um großartigen Sportlerkarrieren noch die Krone aufzusetzen. Sonst hätte Bode Miller Olympiasieger in der alpinen Abfahrt werden müssen, weil er schon mehrmals Weltmeister war, auch Gesamtweltcupsieger und das Skifahren obendrein mit seinem Eigensinn belebt hat. Belohnt hat ihn Olympia aber nicht einmal mit einer Medaille.

Bisher meinen es die Spiele in Turin jedenfalls gar nicht gut mit den Favoriten, das haben auch Ronny Ackermann in der Kombination und Tobias Angerer im Langlauf erfahren müssen, obwohl sie im Weltcup schon so oft gewonnen haben. Ganz abgesehen von den beiden Eisschnellläuferinnen Anni Friesinger und Claudia Pechstein. Das lässt nun zwei Schlüsse zu: Entweder ist Olympia doch nicht so besonders, weil einfach die Tagesform entscheidet, also wer in der Nacht zuvor am besten geschlafen, am Morgen am besten gefrühstückt und im Wettbewerb die beste Laune hat. Oder Olympia ist so etwas Besonderes, dass es selbst von den Allerbesten den größten Respekt fordert. Wer ihn nicht aufbringt, der wird eben wie Ackermann nur Achtzehnter.

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