Sport : Die Vergangenheit glänzt

Der frühere Becker-Trainer Bosch soll bei Rot-Weiß Berliner Tennistalente auf Davis-Cup-Niveau heben

Frank Bachner

Berlin - Sieben Stunden hat sich Hans-Jürgen Jobski beim Sommerfest seines Klubs mit Günther Bosch unterhalten. Danach war der Präsident des Tennisvereins Rot-Weiß Berlin „sehr beeindruckt“ von dem Mann, der Boris Becker zu zwei Wimbledonsiegen geführt hat. Nicht nur Jobski geht es so. „Im Klub hat Bosch einen ganz hohen Stellenwert“, sagt der Rot-Weiß-Vorsitzende. Das trifft sich gut, denn ab 1.Oktober wird Bosch für den Berliner Klub arbeiten. Dann trainiert er eine Gruppe aus sieben bis acht Talenten zwischen acht und zwölf Jahren. Zwei Mädchen, der Rest sind Jungen. Und alle sind Mitglied von Rot-Weiß.

Bosch bei Rot-Weiß, da geht es um sportlichen Aufstieg und um Renommee. Der Coach soll mal Spieler „für die Davis-Cup-Ebene aufbauen“, sagt Jobski. Immerhin waren viele Jahre lang diverse Davis-Cup-Spieler Mitglied von RotWeiß. Leute wie Hans-Jürgen Pohmann, Wilhelm Bungert oder Christian Kuhnke. Und dann geht es natürlich auch um die Selbstdarstellung des Vereins. Mit dem Zugpferd Bosch sollen auch neue Mitglieder geworben werden, daraus macht Jobski kein Geheimnis.

Der 68-jährige Bosch wird allerdings nicht festangestellter Coach des Klubs. Er wird aber mehrwöchige Sommer- und Wintercamps leiten. Im Sommer wird seine Trainingsgruppe mitunter nach Monaco fliegen, dem Wohnsitz von Bosch. Der frühere Becker-Coach wird von der Unterkunft bis zum Training alles organisieren. Im Winter wird er mit den Talenten dann bei Rot-Weiß in der Halle trainieren. Die Kosten für diese Betreuung müssen zu einem Großteil die jeweiligen Eltern übernehmen. Rot-Weiß gibt aus dem Jugendetat des Vereins 20 Prozent dazu. „Aber Günther Bosch ist sehr bescheiden in seinen Forderungen“, sagt Jobski.

Schließlich sei der Coach Rot-Weiß seit langem freundschaftlich verbunden, betont der Klubchef. Bosch hatte lange eine Tennisschule in Bernau, ab und zu trainierte er mit seinen Schülern auch auf dem Rot-Weiß-Gelände. Anders als Boris Becker ist er bisher noch nicht Mitglied von Rot-Weiß. Becker hatte für den Verein nach seinen ersten beiden Wimbledonsiegen einmal sogar in der Bundesliga gespielt.

Die Talente, die Bosch auf Davis-Cup-Niveau führen soll, werden – so lautet der Plan – auch in den Bundesliga-Teams des Vereins eingesetzt. „Das soll dann eine Durchgangsstation sein“, sagt Jobski. Rot-Weiß ist in der neuen Saison in der Ersten Damen- und der Zweiten Herren-Bundesliga vertreten. Die Zeiten freilich, in denen Rot-Weiß 250000 Mark pro Jahr an Markus Zoecke bezahlte, damit der in der Bundesliga für den Verein spielte, sind lange vorbei. Die Bundesliga war für den Verein damals ein sündhaft teures Vergnügen. „Heute“, sagt Jobski, „machen wir das mit ganz kleinem Geld.“

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