Sport : Die Vergangenheit schlägt zurück

Jeder Mensch, so hat Andy Warhol einmal gesagt, habe die Chance, für 15 Minuten berühmt zu werden. Günther Lommer, der Präsident des ASV Cham, hat es sogar auf einen Tag Berühmtheit gebracht. Das war im April vor einem Jahr, als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen neuen Präsidenten proklamierte. Die Proklamation war eigentlich eine Wahl, aber daran hat außer Lommer niemand gedacht. Lommer war der einzige Delegierte des DFB-Bundestages, der gegen Gerhard Mayer-Vorfelder gestimmt hat.

Der Mann aus Bayern ist anschließend für seinen Mut bewundert worden. Und auch dafür, dass er der Mehrheit mit seinem Minderheitenvotum ein wenig aus der Seele gesprochen hat. Denn das Traumergebnis für Mayer-Vorfelder täuscht letztlich darüber hinweg, dass er nicht der Traumkandidat des Fußballvolkes war. Im Geheimen haben alle wichtigen Entscheidungsträger damals gesagt, Mayer-Vorfelder sei nicht der geeignete Mann, entsprechend gehandelt hat niemand. Außer Lommer.

Vielleicht hat Mayer-Vorfelder an jenem Samstag im April gedacht, das Schlimmste sei überstanden. In diesen Wochen aber zeigt sich, dass Mayer-Vorfelder, der gerne der starke Mann des deutschen Fußballs wäre, ein schwacher DFB-Präsident ist. Erst musste er sich für ausländerfeindliche Sprüche rechtfertigen, die in einer Ausstellung dokumentiert werden, und jetzt wurde gegen ihn in Stuttgart ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eröffnet.

Dass Mayer-Vorfelder ein Mann der Vergangenheit sei, haben seine Kritiker schon vor einem Jahr gesagt. Nun zeigt sich, dass diese Aussage auch anders verstanden werden kann: Der DFB-Präsident wird von den Sünden der Vergangenheit eingeholt. Seine Vergangenheit heißt VfB Stuttgart, da war er 25 Jahre lang Präsident. In diese Zeit fallen der Aufstieg aus der Zweiten Liga, zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg - und der Niedergang des Klubs: Mayer-Vorfelder hinterließ dem VfB rund 30 Millionen Mark Schulden. Es bedarf schon einer gewissen Unverfrorenheit, sich mit einer solchen Bilanz um das Amt des DFB-Präsidenten zu bewerben. Die Summe, die Mayer-Vorfelder an der Steuer vorbeigeschleust haben soll, nimmt sich da vergleichsweise bescheiden aus. Aber darum geht es gar nicht. Es geht auch nicht um Gerechtigkeit. Es geht um die Frage, ob sich der DFB einen Präsidenten leisten kann, mit dem viele noch eine Rechnung offen haben.

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