Sport : Die Verlierer zahlen

Mit finanziellem Druck und neuem Trainer will der Skiverband die Misere bei den alpinen Rennfahrern lösen

Benedikt Voigt

Berlin. Jedes Mal, wenn Werner Margreiter in diesen Tagen einen Parkplatz erreicht, muss er feststellen, dass er nicht mehr für den österreichischen Skiverband arbeitet. „Früher habe ich 25 Parkscheine gebraucht“, sagt der für die Herren zuständige Cheftrainer der Alpin des Deutschen Skiverbandes. So viele Läufer und Betreuer umfasste der erfolgsverwöhnte Kader der Österreicher. „Jetzt reicht ein Parkschein“, sagt Margreiter, „wir passen alle in ein Auto“.

Es gibt einiges, an das sich der Österreicher in seinem neuen Job beim Deutschen Skiverband gewöhnen muss. Wenn am Sonntag bei den Herren die neue Saison mit dem Riesenslalom in Sölden (9.30/12.45 Uhr, live in der ARD) startet, werden seine Rennläufer nicht mehr auf den vorderen Plätzen landen. Beim deutschen Verband muss Margreiter froh sein, wenn einer seiner Läufer unter die ersten 15 käme. Sportdirektor Thomas Pfüller sagt: „Bei den Herren sieht es nicht besonders gut aus.“ Auch der im Frühjahr verpflichtete Margreiter konnte die Misere im Herrenbereich so schnell nicht beenden. Aber er hat bereits einiges geändert.

So müssen die Fahrer in diesem Jahr erstmals eine Kaution beim DSV über 10 000 Euro hinterlegen. Das Geld bekommen sie nur zurück, wenn sie am Ende der Saison in einer Disziplin im Weltcup unter den besten 15 landen. Dies wird bei den Österreichern schon einige Zeit mit Erfolg praktiziert. „Wir brauchen keine Athleten mehr, die sich unrealistische Ziele setzen“, sagt Pfüller. Die Regelung gilt nicht für alle. „Athleten, die unter 25 Jahre alt sind, haben Schonfrist“, sagt Pfüller. Auch Martina Ertl und Hilde Gerg müssen nichts bezahlen, obwohl sie über der Altersgrenze liegen. Weil sie regelmäßig in die Spitzengruppe fahren. „Aber wenn sie die Ergebnisse nicht bringen, würde das auch bei ihnen greifen“, erklärt Pfüller. Florian Eckert bildet ebenfalls eine Ausnahme, er versucht nach einer dreijährigen Verletzungspause wieder seine alte Form zu erreichen.

Der Verband möchte mit dieser Regelung aussortieren. Es ist ein gewünschter Effekt, wenn ein Fahrer, der am Ende der Saison sein Geld nicht zurückbekommt, seine Karriere beendet. Auf diese Weise sortiert der DSV ältere und leistungsschwache Rennläufer aus. „Wir brauchen keine Leute, die jahrelang um Platz 30 fahren“, sagt Werner Margreiter. Zu lange sind vor allem die Herren hinterhergefahren und blockierten teure Plätze im Weltcupteam. Vor dieser Saison traf es vier Skifahrer, die das Geld hinterlegen mussten: Max Rauffer, Stefan Stankalla, Alois Vogl und Andreas Ertl. Bei den Frauen gilt die Kautionsregelung nur für Petra Haltmayr. Nach Pfüllers Darstellung akzeptierten die betroffenen Fahrer die neue Regelung schnell. „Ich habe mit den beiden Damen gesprochen“, sagt der Sportdirektor, „da gab es einige Rückfragen, aber keine Widerstände“.

Auf das Debakel bei der Ski-WM, als das deutsche Team erstmals seit 1982 keine Medaille gewann, hat der Verband mit Umstrukurierung reagiert. Für 350 000 Euro beschäftigt der DSV nun acht hauptamtliche Trainer, die sich um den Nachwuchs kümmern. „Die Reform kommt acht bis zehn Jahre zu spät“, kritisierte Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier, dessen Fahrerinnen heute in Sölden mit einem Riesenslalom (9.30/12.30 Uhr, live in der ARD) in den Weltcup starten. Doch Pfüller verteidigt sich. „Früher durften wir Bundesmittel nicht für die Landesverbände und die Schüler einsetzen.“ Nun kann der Verband auf das Geld aus dem neuen Fernsehvertrag mit RTL zurückgreifen, der 14 Millionen Euro pro Jahr bringt.

Trotzdem dürften sich bei den Herren so schnell keine Erfolge einstellen. „Auch Olympia 2006 kommt zu früh“, sagt Margreiter. Der Österreicher wundert sich immer noch über den Leistungsstand in Deutschland. „Ich verstehe nicht, dass die Läufer auf der einen Seite der Grenze so viel schneller sind als 20 Kilometer weiter nördlich.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben